Talk of the Kiez

Veröffentlicht am 07.11.2017

Wie Flüchtlinge den Bezirk wahrnehmen. „Schön“ findet Mohammed, ein Maler, seinen neuen Lebensmittelpunkt. Das viele Grün zwischen den Plattenbauten, die weiten Räume. Ein bisschen klingt er wie die Einheimischen, wenn sie über Marzahn reden. Nicht ganz so bunt wie anderswo hat er die Gesellschaft erlebt, aber die Leute waren immer freundlich zu ihm. „Niemand hat mich angerührt.“ Ganz anders Sara: Ein Mädchen hat sie einmal bespuckt, ohne dass die Mutter dazwischen gegangen wäre. Leute starren, rempeln sie an. Mit ihrem Kind wollten die anderen in der Schule nicht spielen, „weil er ein Araber ist“. Einer Freundin hat jemand das Kopftuch abzureißen versucht. Die vielen Übergriffe zeigen Wirkung: Sie bleibt lieber in der Unterkunft, als vor die Tür zu gehen, und wünscht sich eine Wohnung „irgendwo weit weg von Marzahn“.

Diese Schilderungen hat die freie Journalistin Holly Young zusammengetragen, die auch schon einige Jahre für den „Guardian“ gearbeitet hat und sich derzeit in Berlin aufhält. Mehrfach hat sie den Bezirk in den letzten Wochen besucht. Vor allem durch die Feindseligkeiten, die von Kindern ausgehen, hallt ihre lesenswerte Reportage für das englischsprachige Portal „The Local“ nach. Ihre Begegnung mit Hassan al-Hashem, macht jedoch Hoffnung. Er war an dem Videoprojekt „Wir sind Marzahn!“ beteiligt. Die Diskussionen nach den Filmvorführungen hätten auch kritische Leute nachdenklich gestimmt, erzählt er. Einmal sah er einen Mann weinen und war selbst gerührt von der Anteilnahme am Schicksal der Flüchtlinge. „Da bin ich zu ihm hin und habe ihn umarmt.“