Talk of the Kiez

Veröffentlicht am 05.12.2017

Es hätte Tote gegeben, wären die Einsatzkräfte nicht so schnell in der Cecilienstraße gewesen, sagt ein Feuerwehrsprecher. Und wer die Bilder des Biesdorfer Hochhausbrandes vom Sonnabend sieht, glaubt das sofort. Ein Küchenbrand in einer Wohnung der dritten Etage verursachte ein Inferno, das Feuer breitete sich bis unters Dach des Zehngeschossers aus, dicker Qualm zog in großen Schwaden aus dem Gebäude. Die Rauchsäule war kilometerweit zu erkennen. Ein Großaufgebot von 200 Feuerwehrleuten rettete die Mieter, 22 erlitten Verletzungen, drei von ihnen etwas schwerer, wie es hieß. Das Haus ist vorläufig unbewohnbar.

Was wird nun aus den Mietern? Die meisten kamen noch am selben Tag bei Freunden oder Verwandten unter. Für zunächst drei Einzelpersonen öffnete die Volkssolidarität das benachbarte Flüchtlingsheim im Brebacher Weg. Am Montag waren dort fünf Menschen aus der Cecilienstraße einquartiert, wie Sozialstadträtin Juliane Witt (Linke) am Dienstagmorgen berichtete. Sie hatte zu Wochenbeginn gleich zwei Mitarbeiter des Sozialamtes vorbeigeschickt, um Unterstützung anzubieten. Konkret heißt das: Die fünf Mieter im Flüchtlingsheim bekamen eine Kostenübernahme durch das Bezirksamt attestiert, sie können sich nun vorläufig ein Zimmer in einem Hostel oder Hotel suchen. Inzwischen haben rund 20 Betroffene eine solche Bescheinigung bekommen, teilte der Bezirk am Nachmittag mit.

„Wer wohnungslos ist, kann sich sofort beim Sozialamt melden“, erklärte Witt. Denn dass die Freunde oder Verwandten, die in der ersten Not aushalfen, die Betroffenen länger unterbringen können, ist durchaus nicht gewährleistet. Auch der Vermieter, die Berlin-Brandenburgische Wohnungsbaugenossenschaft, müsse nun schauen, ob er andere Wohnungen zur Verfügung stellen könne – kein leichtes Unterfangen, da im Bezirk doch annähernd Vollvermietung herrscht. Kleidung und Gebrauchsgegenstände bekommen die Bewohnerinnen und Bewohner kostenlos in der Spendenausgabe des Bezirks in der Bitterfelder Straße 15, Mobiliar und andere Ausstattung gibt es bei den „Helfenden Händen“ im Roßweiner Ring 13.

Die Hilfsbereitschaft ist jedenfalls groß. „Die Marzahn-Hellersdorfer wollen schnell was abgeben“, fasst Witt die Anteilnahme treffend zusammen. Viele denken an Kleidung oder Decken, doch das lässt sich auf die Schnelle gar nicht so leicht abwickeln, weil der Bedarf sich erst in den nächsten Tagen ergeben dürfte. „Die Leute gucken jetzt, was sie brauchen“, sagt der örtliche CDU-Abgeordnete Christian Gräff. Dann gäbe es sicher noch mal einen gesonderten Aufruf. Mit dem Fraktionschef seiner Partei in der Bezirksverordnetenversammlung, Alexander J. Herrmann, hat er spontan auf die Spendenbereitschaft reagiert. In ihren Kiezbüros nehmen sie Zuwendungen der Bürger entgegen. Das von Gräff befindet sich beim Gesundheitszentrum des Unfallkrankenhauses in der Warener Straße 1, das von Herrmann am Cecilienplatz 4. Für den Anfang wären schon kleinere Geschenke genau richtig, meint Gräff, allein als Geste: Süßigkeiten für die Kinder, eine kleine Aufmerksamkeit für die Erwachsenen – es ist eben auch Advent. In diesem Punkt herrscht überparteilich Einigkeit: Stadträtin Witt denkt darüber nach, eine kleine Weihnachtsfeier zu organisieren.