Kiezgespräch

Veröffentlicht am 15.05.2018 von Ingo Salmen

Wieviel Marzahn steckt in „Weissensee“? Die ARD hat vergangene Woche die vierte Staffel ihrer Familiensaga ausgestrahlt. Drei Doppelfolgen zur besten Sendezeit (und online noch ein paar Tage verfügbar). Berlin im Jahr 1990, zwischen freien Wahlen und Währungsunion, zwischen Treuhand und Fußball-WM, von Aufbruch bis Abbruch. Und mittendrin plötzlich: Marzahn. Als Roman, der Sohn von Stasi-Fiesling Falk Kupfer, in eine rechte Schlägertruppe gerät und in Marzahn ein paar Autonome vermutet, die für den Tod seiner Freundin verantwortlich sein sollen. Vater Falk übernimmt plötzlich Verantwortung für den Jungen und holt ihn aus der Neonazi-Gang raus. Aber wurde diese Sequenz in Folge 23 auch in Marzahn gedreht?

Ganz unverhofft kommt Marzahn an anderer Stelle ins Bild. Lisa, die älteste Tochter von Falks Bruder Martin Kupfer, träumt von einer Modelkarriere. Eine Agentur hat ihr ein Shooting in Italien vermittelt, gleich in Folge 19, der ersten aus der vierten Staffel, wird der Traum wahr (bevor er zum Albtraum wird). Ein Blick auf Mailand, den Dom, den Flughafen mit den Alpen im Hintergrund, während vorne Lisa mit Koffer aus dem futuristischen Terminal – Moment … Das ist nicht der Mailänder Flughafen. Das ist das Blechkleid des Eastgate. Mit Treppenaufgang zur Fußgängerbrücke Richtung S-Bahnhof. Darüber kann auch der kleine Polizei-Fiat nicht hinwegtäuschen. Beim Einkaufszentrum ist man überrascht: Von einem Dreh habe man nichts gewusst, heißt es. Frei nach Lothar Matthäus: Mailand oder Marzahn, Hauptsache Flughafen.

Und wie geht es weiter? Geht es überhaupt weiter? Die ARD hat sich noch nicht geäußert. Joachim Huber, Leiter unseres Medienressorts, ist jedoch skeptisch. Er sieht am Ende der vierten Staffel einige Hinweise, dass Autor und Regisseur Friedemann Fromm die „Weissensee“-Saga für „auserzählt“ halten könnte. Außerdem wird der Erfolg der Serie zur Belastung. „Nur Weitermachen ist nicht die Herausforderung, sie ist größer“, schreibt Kollege Huber im Tagesspiegel. „Jede Fortsetzung muss das Niveau halten, auf der Ebene der Verzahnung von Historie und Fiktion, auf der Ebene von Regie und einem Schauspielerensemble, wo keine Darstellerin/kein Darsteller abfallen darf, weil sonst die dargestellte Figur mit abfällt.“ Bei einer fünften Staffel bestehe die Gefahr, „dass es nicht weiter-, sondern abwärts geht“. Wünschen würde ich sie mir trotzdem. Mit oder ohne Marzahn.

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