Kiezgespräch

Veröffentlicht am 10.07.2018 von Ingo Salmen

Eine BVG-Seilbahn am Kienberg? Die SPD im Bezirk, genauer gesagt: die Abteilung 6 für Kaulsdorf-Nord und Mahlsdorf-Nord, hat eine Debatte wiederbelebt, die seit Monaten ruhte. Sie will die IGA-Seilbahn zu sozialverträglichen Preisen in den Öffentlichen Personennahverkehr integrieren. Diesen Wunsch hat die Bezirkspolitik im vergangenen Sommer schon einmal diskutiert. Außerdem fordert der sozialdemokratische Ortsverein vom Senat, ein Seilbahnkonzept auch für andere Bezirke zu prüfen. Im Gespräch war zum Beispiel mal eine Verbindung zum Flughafengelände in Tegel nach dessen Schließung, wie mein Kollege Klaus Kurpjuweit im Tagesspiegel berichtet.

Die SPD-Kreisvorsitzende Iris Spranger schwärmt von einem „großartigen Blick über das Gartengelände“, der alle begeistere. „Andere haben Fähren, wir eine Seilbahn“, sagt der Kaulsdorfer Abgeordnete Sven Kohlmeier. Und der Ortsvereinsvorsitzende Jan Lehmann behauptet: „Der Twitterkanal der BVG kostet mehr als die Betriebskosten der Seilbahn.“ Einen Beleg dafür liefert die SPD nicht. Die BVG kann zu den Kosten nichts sagen, geht jedoch nicht davon aus, dass sie die 1,5 Kilometer lange Kurzstrecke kostendeckend betreiben könnte – und wäre deshalb auf einen Zuschuss des Senats angewiesen.

Die Landesregierung hat die Übernahme bisher strikt abgelehnt. Eine langfristige Nutzung werde „nicht durch eine Einbindung in den ÖPNV erfolgen“, teilte Umweltstaatssekretär Stefan Tidow dem Linken-Abgeordneten Kristian Ronneburg im August 2017 auf Anfrage mit (hier als PDF). Seilbahnen stellten in Berlin „lediglich Insellösungen“ dar, für die es „kein Potenzial“ gebe. Ist das auch heute noch die Auffassung der Senatsverwaltung? Ihr Sprecher Matthias Tang äußert sich nicht mehr ganz so rigoros. Es bestehe „ausreichend Zeit, das Nutzungsverhalten sowie die verkehrlichen als auch finanziellen Implikationen des Betriebs für den Park ‚Gärten der Welt‘ genau zu untersuchen“ und Entscheidungen für einen Betrieb zu treffen, der über die bisherigen Bindungen hinausgehen würde.

Bis Ende 2020 ist der Betrieb durch die Leitner AG sichergestellt. Danach kann sie ihn bis 2031 verlängern, muss es aber nicht. Zu den Nutzerzahlen hält Sprecherin Tanja Terruli sich bedeckt. Allerdings gehen Seilbahnbetreiber und Grün Berlin in eine Sommeroffensive: Bis zum 19. August gilt montags und dienstags ein Ferienticket, mit dem ein Erwachsener und ein Kind bis einschließlich 17 Jahre zusammen für sieben Euro die Gärten der Welt besuchen können – einschließlich Hin- und Rückfahrt mit der Seilbahn.

Für die Politik stellen sich derweil zwei Fragen: Ist die Seilbahn für die Attraktivität des Bezirks so wichtig und ihr verkehrlicher Nutzen so groß, dass sie Steuergelder dafür aufwenden will, sollte sich die Leitner AG zurückziehen? Und ist die Seilbahn für die Lebensqualität der Menschen in Marzahn-Hellersdorf sogar so wichtig, dass sie schon vorzeitig eine Übernahme mit der BVG aushandeln sollte, um günstige Preise zu ermöglichen? Nach einem IGA-Sommer lässt sich das kaum beurteilen, mindestens eine Saison sollte man noch abwarten. Die nüchterne Sicht des Senats mag wie Zeitspiel wirken, ist jedoch völlig angebracht. Schöne Aussichten allein sind kein Argument.

Anzeige