Kiezgespräch

Veröffentlicht am 21.05.2019 von Ingo Salmen

Wo sind gefährliche Schulwege in Marzahn-Hellersdorf? Das hatte ich vergangene Woche im Newsletter kurz gefragt. Es dauerte nicht lange, bis die ersten Leserinnen und Leser dem Aufruf folgten und auf Gefahrenstellen hinwiesen. Die ersten Rückmeldungen zeigen: Es gibt mancherlei Probleme – von fehlenden Ampeln oder Zebrastreifen bis zu rücksichtslosen Autofahrern. Eltern- und Schülervertreter wollen gemeinsam mit Politik und Verwaltung an konkreten Lösungen arbeiten.

Von drei gefährlichen Wegen berichtete Wenke Snelinski, die Elternvertreterin in der Fuchsberg-Grundschule in Biesdorf ist. Ein Punkt betraf die Querung der Heesestraße: Weder auf der Höhe von Wuhlewanderweg und Schwabenallee noch an der Ecke Köpenicker Straße gebe es für die Tempo-50-Straße eine Querungshilfe, also eine Ampel oder einen Zebrastreifen. An mindestens einer dieser Stellen sei das aber „dringend erforderlich“. Eine doppelte Überquerung sei an der Köpenicker Straße in Höhe der Straße Habichtshorst und dann gleich nochmal über die Straße Habichtshorst erforderlich. Snelinski regt an, den Fußgängerweg zu verlegen, um eine Querung zu sparen. Die genannten Maßnahmen würden seit 2017 schon von der Gesamtelternvertretung propagiert, habe von der Senatsverkehrsverwaltung aber nur Absagen erhalten. Zu spüren bekommen die Schulkinder auch die Sperrung der Salvador-Allende-Brücke in Köpenick: Weil die Köpenicker Straße nun noch voller sei als sonst, würden noch mehr Autofahrer, die in Richtung B1/B5 wollen, auf die Fahrradstraße Alberichstraße und Wulkower Straße ausweichen, die parallel zur Köpenicker verlaufen, um dem morgendlichen Stau zu entgehen. „Schlecht für Kinder, da dort auch kein separater Fuß- oder Radweg besteht“, schrieb mir Snelinski.

Unabhängig voneinander bekam ich Hinweise auf die Probleme an der Johann-Strauß-Grundschule, ebenfalls in Biesdorf. Darüber berichteten einerseits die Familien Ferber und Kupke und andererseits Katrin Eckert. Allen ging es um die „mehr als brenzlige Situation“ an der Kreuzung von Oberfeldstraße und Cecilienstraße. „Diese Kreuzung ist weder durch Ampeln noch einen Zebrastreifen gesichert“, schilderten die beiden Familien die Situation. „Es halten hier Busse, sodass Kinder die Kreuzung teilweise queren müssen.“ Morgens komme viel Verkehr durch die Cecilienstraße aus Hellersdorf, noch einmal verschärft durch die Sperrung des Getreideviertels für den Durchgangsverkehr. Immer wieder komme es zu Unfällen, oft schleuderten Autos dabei auf die Gehwege. „Dabei wurden schon mehrfach Mauern anliegender Grundstücke und Straßenschilder mitgerissen“, berichteten die Ferbers und die Kupkes und lieferten gleich Beweisfotos mit. „Der letzte Unfall ereignete sich Samstag. Auch hier wurde der Bürgersteig getroffen.“

Gerade morgens im Berufsverkehr sei es kaum gefahrlos möglich, zu Fuß über die Kreuzung zu kommen. Die Autos würden meist mit hoher Geschwindigkeit aus der Cecilienstraße links in die Oberfeldstraße abbiegen, um sich in das Tempo der Autos dort einzuordnen. „Dabei wird regelmäßig der Vorrang von Fußgängern vor abbiegenden Fahrzeugen missachtet“, schreiben die Familien. „Um 7.20 Uhr morgens in der Hauptschulwegzeit macht man hier besser einfach nur noch die Augen zu.“ Schon 2011 habe sich auch die Bezirksverordnetenversammlung für Tempo 30 ausgesprochen, was die Verkehrslenkung Berlin ein Jahr später jedoch abgelehnt habe, weil der Bus unverhältnismäßig ausgebremst würde. „Dieser Argumentation kann niemand folgen, da sich hier Haltestellen befinden und der Bus sowieso im An- oder Abfahren ist und damit keine 50 km/h fährt.“

Im September vergangenen Jahres gab es dann Bewegung – ein bisschen. „Nach mehreren weiteren Schreiben“ habe der damalige Stadtrat Johannes Martin (CDU) bei einem Termin die Prüfung von kurzfristigen Lösungen wie ausgedehnter Parkverbote rund um die Kreuzung (für bessere Sicht) und eine Geschwindigkeitsanzeige auf der Oberfeldstraße zugesagt. Bislang habe es jedoch lediglich eine Verkehrszählung gegeben. Dass sich nicht längst mehr getan hat, ist auch aus einem anderen Grund erstaunlich. „In der Straße selbst befindet sich die Direktion 6 der Polizei“, schreibt Katrin Eckert über die Cecilienstraße. „Das Problem ist: Der Bezirk will einen Zebrastreifen, dies Polizei lehnt ab, solange die Eltern die Kinder mit dem Kfz bringen. Man dreht sich also im Kreis, Leidtragende sind die Kinder.“

Eltern sind auch ein Problem in Marzahn. „Vor der Karl-Friedrich-Friesen-Grundschule sind es hauptsächlich Eltern, die verkehrswidrig und teils gefährdend halten und teilweise parken, um ihre Kinder direkt vor dem Eingang aussteigen zu lassen“, berichtet Norman Heise. „Durch parkende und haltende Pkw kommt es zu unübersichtlichen Situationen und teils zu waghalsigen Überholmanövern auf der schmalen Straße, die Kinder besonders gefährden, die die Straße überqueren wollen.“ An kalten Tagen warteten Eltern mitunter sogar mit laufenden Motoren vor der Schule, bis sich die Türen öffnen und die Kinder ins Gebäude kommen. Auch das Tempo in der schmalen Straße sei teilweise zu hoch. Auf der Internetseite der Schule hat die Gesamtelternvertretung deshalb Hinweise für Eltern veröffentlicht, die ihre Kinder bringen wollen. Eine AG Verkehrssicherheit hat sich eigens dieses Themas angenommen.

In erster Linie sieht Heise den Bezirk in der Pflicht, mit baulichen Maßnahmen für mehr Sicherheit zu sorgen – und zwar nicht nur an seiner Schule, sondern generell in Marzahn-Hellersdorf. Als Bezirkselternsprecher will er einen Dialog anstoßen, um schulspezifische Lösungen gemeinsam zu entwickeln. Bezirkselternausschuss und Bezirksschülerausschuss planten deshalb eine Sitzung des Bezirksschulbeirates im August mit Stadträtin Nadja Zivkovic (CDU), um eben an konkreten Beispielen über Lösungsvorschläge zu sprechen. Wir werden die Hinweise, die uns erreichen, ebenfalls an Norman Heise weiterleiten. Wenn Sie weitere Gefahrenstellen kennen und Ideen haben, wie sie sich entschärfen ließen, lassen Sie mich das gern per Mail wissen. – Ingo Salmen
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Diesen Text haben wir als Leseprobe dem neuen Tagesspiegel-Newsletter für Marzahn-Hellersdorf entnommen. Den Newsletter, den Ihnen Ingo Salmen kompakt und einmal pro Woche mailt, können Sie ganz unkompliziert und kostenlos bestellen unter leute.tagesspiegel.de.

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