Kiezgespräch

Veröffentlicht am 03.09.2019 von Ingo Salmen

Brandenburg ist seit Sonntag ein zweigeteiltes Land. Das zeigt ein Blick auf die Karte mit den Ergebnissen aller Gemeinden bei der Landtagswahl, zusammengestellt von unserem Tagesspiegel-Datenteam. Die Tendenz: Der Westen des Landes ist überwiegen rot eingefärbt, hier hat die SPD ihre Mehrheiten gehalten; der Osten hingegen ist überwiegend blau, dort dominiert die AfD. Um Berlin herum aber legt sich noch weitgehend ein sozialdemokratischer Gürtel. Das gilt auch für die unmittelbare Nachbarschaft von Marzahn-Hellersdorf – allerdings ist der Vorsprung der SPD deutlich geringer als im Landesschnitt, wo die Sozialdemokraten 2,7 Punkte vor der Rechtspartei lagen. In Hoppegarten lag die SPD bei den Zweitstimmen mit 21,8 Prozent nur knapp vor der AfD, die auf 21,4 Prozent kam. Im Mittelfeld tummeln sich Linke, CDU und Grüne mit 16, 14,5 und 12,1 Prozent. In Altlandsberg sind die beiden größten Parteien mit 26,9 Prozent gleichauf, in Neuenhagen liegt die SPD mit 24,5 Prozent deutlich vor den 18,8 Prozent der AfD, in Schöneiche ist es mit 23,1 zu 17,7 Prozent ebenfalls eine satte Führung,  in Fredersdorf-Vogelsdorf ist es mit 25,1 zu 23,9 Prozent wieder enger.

Auffällig ist die Nachbarschaft zu den AfD-Hochburgen in Marzahn-Hellersdorf: So wie die Rechten in den Großsiedlungen bei vergangenen Wahlen besonders stark punkten konnten, hatten sie auch bei der Brandenburgwahl am Sonntag gleich nebenan die Nase vorn, wenn auch nur knapp. In der Gemeinde Ahrensfelde kam die AfD auf 23,9 Prozent, während es bei der SPD nur für 23,1 Prozent reichte. Hier durchbricht die Partei den roten Gürtel um die Bundeshauptstadt. Noch deutlicher gelang das nur im Südosten: In Gosen-Neu Zittau, das an den Bezirk Treptow-Köpenick grenzt, brachte es die AfD auf 30,7 Prozent , die SPD auf 26 Prozent. Während die SPD landesweit ihre Rolle als stärkste Partei verteidigen konnte, waren es die Rechten, die teilweise mit besonders hohen Ergebnissen überraschten. Mein Kollege Sebastian Leber war am Wahlwochenende in Hirschfeld zu Besuch. Er fand ganz im Süden des Landes, kurz vor Sachsen, einen kleinen Ort mit guter Infrastruktur und Menschen in gesicherten Verhältnissen vor. Geflüchtete leben dort nicht, trotzdem kam die AfD auf 50,6 Prozent. Lesen Sie hier seine Reportage.