Kiezgespräch
Veröffentlicht am 27.10.2020 von Masha Slawinski
Die Marzahner Mühle hat keinen Müller mehr. Seit Mai hatte die Marzahner Bockwindmühle einen neuen Müller. Im Interview mit Ingo Salmen hat der gelernte Industriekletterer und Bootsbauer Simon Rehle leidenschaftlich von seinem neuen “Traumjob” erzählt. Nun scheint es mit dem Traum vorbei. Nach der Probezeit hat er gekündigt. Die Anfrage bei Rehle, warum er gekündigt hat, blieb unbeantwortet. „Die Chemie hat einfach nicht gestimmt“, sagt Ralf de Silva, Vorstandsmitglied des Mühlenvereins Berlin-Marzahn e.V. Die Arbeit als Müller werde leicht unterschätzt, denn sie sei mehr als das Mahlen von Korn und die Instandhaltung der Mühle. Man sei aber gut auseinander gegangen. Ein ruhiger Abschied.
Rehles Vorgänger musste Anfang 2020 nach 25 Jahren gehen. Anlass war sein sexueller Übergriff auf einen Praktikanten. Die Mühle stand dann erst einmal still.
Momentan hat die Bockwindmühle keine festen Öffnungszeiten. Schul- und Kitagruppen und andere Besuchende müssen sich zuvor anmelden. Auch 2020 wurde in der Mühle geheiratet. Insgesamt haben dort dieses Jahr 28 Paare die Ehe geschlossen. Ein bisschen weniger als sonst, aber keine allzu große Abweichung zu den Jahren davor. Finanziell stehe es nicht allzu schlecht um die Mühle, erklärt de Silva. Man habe zwar durch das Corona-Geschehen weniger Besucher und Einnahmen, allerdings auch geringere Ausgaben, weil zum Beispiel kein Korn gekauft und somit auch nicht gemahlen werde. Zudem erhalte der Verein Spenden.
Seit September hat die Mühle nun zwei Hilfskräfte, die ein Freiwilliges Ökologisches Jahr absolvieren. Als es noch möglich war, übernahmen sie die Führungen mit den Schulklassen. Die fallen, bedingt durch die Corona-Regulationen, jetzt weg. Die Saison neigt sich aber eh dem Ende zu. Jetzt geht nur noch darum, die Mühle in Schuss zu halten. Los geht es dann erst wieder im März.
Wer neuer Müller wird, ist noch nicht geklärt. Für die noch ausgeschriebene Stelle gibt es momentan zwei Bewerber*innen. Geplant ist, dass eine*r der beiden dann ab Januar 2021 anfängt. Mal sehen, ob dann Ruhe in der Mühle einkehrt. Denn so märchenhaft sich der Beruf des Müllers auch anhören mag: “In diesem riesigen Holzbau ist immer was zutun.”
Dieser Artikel wurde am 18.11.20 aktualisiert und um die Information ergänzt, dass es mittlerweile zwei Bewerbungen für die ausgeschriebene Stelle in der Marzahner Bockwindmühle gibt.