Kiezgespräch
Veröffentlicht am 21.03.2023 von Johanna Treblin
Geht es nach der BVG, soll sich Berlins U-Bahn-Netz in den kommenden Jahrzehnten verdoppeln. Eine Linie soll nach Marzahn ausgebaut werden: Die U4. Die Planer:innen sehen in ihrer Vision eine Verlängerung entsprechend der in früheren Plänen U11 genannten Route vor. Vom Nollendorfplatz bedeutete das einen Ausbau zum Hauptbahnhof. Anschließend würde die Strecke zunächst zur Schwartzkopffstraße führen und über den Nordbahnhof zum Rosenthaler und Rosa-Luxemburg-Platz führen.

Danach ginge es mit der U-Bahn bis zur Landsberger Allee, weiter nach Marzahn und von dort bis zum Glambecker Ring. Damit würden bis heute „fehlende Schnellverbindungen“ in den Nordosten Berlins geschaffen, heißt es in der Präsentation der BVG, die mein Kollege Christian Latz eingesehen hat.
Die Ideen der BVG für einen massiven Ausbau des Berliner U-Bahn-Netzes wurden übers Wochenende mit Spott und Häme überzogen. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz BUND bescheinigte dem Unternehmen „Größenwahn“. Der Fahrgastverband Igeb sprach von einem „verfrühten Aprilscherz“.
Der BUND findet, die Vision der BVG, das Berliner U-Bahn-Netz auf 318 Kilometer mehr als zu verdoppeln, sei vor allem eines: „die komplette Verkennung der verkehrspolitischen Notwendigkeiten in der Stadt“. Stattdessen müsse „angesichts der eskalierenden Klimakrise“ das Straßenbahnnetz der Hauptstadt ausgebaut werden. „Nur mit der Tram kann Berlin vergleichsweise zügig eine flächendeckende Verbesserung des Nahverkehrs erreichen.“
Eike Arnold, SPD-Verordneter in der BVV Marzahn-Hellersdorf und Vorsitzender des Verkehrsausschusses, sagt hingegen auf Anfrage: „Es ist richtig, dass die Berliner Verkehrspolitik mit SPD und CDU im ÖPNV endlich größer denkt. Wir brauchen alles: E-Busse, Straßenbahnen und U-Bahnen.“ Alles habe seine Vorteile. Ein U-Bahnzug könne bis zu 1.000 Menschen im Abstand von wenigen Minuten befördern. U-Bahn-Lückenschlüsse lägen auf der Hand. Verlängerungen von U-Bahnlinien in den Außenbezirken gingen häufig auch überirdisch und damit schneller und günstiger.
- Graphik: Rita Boettcher