Unter Nachbarn

Veröffentlicht am 12.12.2017 von Ingo Salmen

Ulrich Reinheckel ist diplomierter Gartenbauingenieur und arbeitet bei der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. Vor 30 Jahren war er erst Bauleiter und dann Leiter der Berliner Gartenschau, später verantwortete er die gärtnerischen Ausstellungen im Zelt und kulturelle Aktivitäten im Park. Der 57-Jährige lebt in Mahlsdorf und gehört seit 2010 dem kurz zuvor gegründeten Verein Freunde der Gärten der Welt an, seit 2013 auch als Vorsitzender. Gerade hat die Bezirksverordnetenversammlung ihn für seine ehrenamtliche Tätigkeit geehrt.

Sie haben beruflich schon den ganzen Tag mit Stadtgrün zu tun. Warum engagieren Sie sich in Ihrer Freizeit auch noch für die Gärten der Welt? Zum einen bin ich mit dem Grün in der Stadt Berlin auch außerhalb meiner beruflichen Tätigkeit sehr verbunden. Ich spaziere mit meiner Frau gerne durch die Natur und auch die Parkanlagen Berlins und in Potsdam, beobachte dabei die Natur und die vielen schönen Details, die zum Beispiel die Bäume zu den verschiedenen Jahreszeiten immer wieder anders zeigen. Vor 30 Jahren durfte ich bereits beim Entstehen der Gärten der Welt – der damaligen Berliner Gartenschau – mitwirken. Der Park liegt mir deshalb einfach am Herzen. Dazu kommt, dass es ja auch eine der schönsten Grünanlagen Berlins ist!

Worin bestehen Ihre Aktivitäten? Der Verein möchte die wunderbaren Gärten der Welt im Bezirk, in ganz Berlin sowie auch über die Grenzen der Stadt hinaus noch bekannter machen. Dazu bieten wir monatliche Expertenführungen in den Themengärten oder zu den Pflanzen im Park an. Wir bemühen uns dabei, die seinerzeit beteiligten Landschaftsplaner oder andere kompetente Personen mit einer engen Beziehung zu den Gärten der Welt zu gewinnen. Einmal jährlich organisieren wir einen Workshop zur Entstehung und Entwicklung des Parks, wobei wir auch aktuelle Themen der Gartenkunst einfließen lassen. Die Ergebnisse beziehungsweise Vorträge der bisher bereits acht Workshops sind übrigens die Grundlage für zwei sehr interessante Publikationen des Vereins – beide sind auch im Shop im neuen Besucherzentrum zu erwerben.

Wie hat sich der Blick auf Gärten und Parks von der Berliner Gartenschau zur IGA verändert? Die Situation damals lässt sich mit heute nur bedingt vergleichen. Der Park wurde seinerzeit unter äußerst schwierigen personellen und finanziellen Bedingungen in einer sehr kurzen Planungs- und Bauzeit erschaffen. Er hat dann immer mehr Menschen angezogen – zunächst vor allem aus den angrenzenden neuen Wohnquartieren. Nach der Eröffnung des Chinesischen Gartens im Jahr 2000 und der fortschreitenden Entwicklung des gesamten Projektes kamen Besucher aus allen Teilen der Stadt und Deutschlands. Die Menschen lieben das Grün! Überall in Berlin und anderen Städten finden heute viel mehr Aktivitäten im Freien statt als früher: spazieren, ausruhen, Spiel und Sport. Während der IGA ließ sich dies in vielfältiger Weise beobachten und wird auch weiterhin in den Gärten der Welt stattfinden – wenn auch Hunde und Fahrräder dort nicht erlaubt sind. In den 30 Jahren haben sich natürlich auch Pflanzenzüchtung und der Garten- und Landschaftsbau insgesamt weiterentwickelt, so dass wir heute eine viel breitere Palette an Gestaltungsmöglichkeiten haben.

Wie, glauben Sie, werden sich Gärten der Welt und Kienbergpark in den nächsten Jahren entwickeln? Ich denke, die IGA hat die Gärten der Welt noch bekannter gemacht und viele Menschen überhaupt erst auf diesen tollen Park „gestoßen“ – und viele werden sicher gerne wiederkommen. Er ist nun mit den Erweiterungsflächen entlang des Blumberger Damms noch größer, es gibt mit den Wassergärten, dem tollen Wasserspielplatz, dem Englischen Garten, der neuen Tropenhalle und der Arena viele neue Attraktionen. Dazu kommen natürlich die nahegelegene Seilbahn und auch der neue Kienbergpark mit dem Wolkenhain. Seilbahn und Wolkenhain, das sind für mich zwei sehr schöne neue Attraktionen mit der einmaligen Möglichkeit, diesen Teil Berlins sehr weit und aus der Vogelperspektive überblicken zu können. Dieses Gesamtensemble wird mit Sicherheit in den kommenden Jahren viele weitere Besucher begeistern.

Die Fragen stellte Ingo Salmen.

Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-i.salmen@tagesspiegel.de.