Nachbarschaft

Veröffentlicht am 30.01.2018 von Ingo Salmen

Jürgen Wolf, 54 Jahre, ist Berlins einziger Müller im öffentlichen Dienst.

„Ich bin mit Holz und Getreide groß geworden“, sagt Jürgen Wolf. Er stammt aus einer sächsischen Müller-Dynastie, neben der Müller gab es immer ein Sägewerk. Später lernte er: erst Tischler, dann Müller. Das kommt ihm heute zugute, denn Jürgen Wolf ist der Mann, der die Bockwindmühle in Bewegung hält – indem er das Korn mahlt, aber sich auch tagein, tagaus um Reparaturen und Ergänzungen an dem hölzernen Bauwerk kümmert, das als Wahrzeichen über Alt-Marzahn wacht. Die Mühle, historischen Vorbildern nachempfunden, wurde 1993 gebaut, ein Jahr später eröffnet. Sie erinnert an die landwirtschaftliche Tradition des Bezirks, wie die Ähren auf der Fassade des Rathauses. Mehr Maschine als Haus sei sie, auf einen Baum genannten Pfahl gegründet, um den Wolf sie dreht, um sie nach dem Wind auszurichten.

Jürgen Wolf ist von Beginn an dabei. Den Stadtkindern zeigt er, woher das Brot kommt, backt mit ihnen Kekse aus dem eigenen Mehl. 500 Führungen mit 10.000 Besuchern gibt Wolf im Jahr – oft für Schulklassen. Und seit 21 Jahren finden hier auch 40 bis 50 Hochzeiten im Jahr statt. Nach dem Standesbeamten tritt dann Standesmüller Wolf vor das Brautpaar. „Ich bringe die Ehe in Sack und Tüten“, sagt er – und lässt die Eheleute erst mal an einer kleinen Hochzeitsmühle (im Bild) ihr eigenes Mehl herstellen. Vor ein paar Tagen habe ich Jürgen Wolf an seinem Arbeitsplatz besucht. Demnächst schreibe ich eine längere Geschichte über ihn für den Tagesspiegel.

Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-i.salmen@tagesspiegel.de.

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