Nachbarschaft

Veröffentlicht am 02.05.2018 von Ingo Salmen

Carsten Janke, 41, Fotograf aus Kaulsdorf, hat am Montag ein Bild der Donots für 805 Euro bei Ebay versteigert. Die Aufnahme stammt von einem Konzert im Februar im „Huxleys“, die Band hatte sie anschließend signiert. Der Erlös geht an die Initiative „Kein Bock auf Nazis“ (im Bild: die Donots mit dem Foto).

Herr Janke, wie kamen Sie dazu, die Donots zu fotografieren? Als Fotograf wollte ich schon immer auch auf Konzerten fotografieren. Die Donots gehören seit Jahren zu meinen Lieblingsbands, und so war schnell klar, dass ich es bei den Jungs mal probieren muss. Es stellte sich allerdings die Frage, wie man das am sinnvollsten anstellt. Einfach nur eine E-Mail mit der Frage „Hey, darf ich bei eurem Konzert offiziell fotografieren?“ schien mir zu einfach. Und so überlegte ich mir, der Band anzubieten, dass sie sich ein Foto aussuchen kann, das ich auf eigene Kosten als Wandbild drucken lasse und dann von der Band signiert wird, um es für einen guten Zweck zu versteigern.

War es leicht, die Band für Ihre Aktion zu gewinnen? Es war schon nicht ganz einfach, und mir war klar, hartnäckig sein zu müssen. Ich versuchte es erst über einen Kontakt zur Band über Facebook. Guido von den Donots fand die Idee von Anfang an gut und meinte, ich solle mich ans Management wenden. Das habe ich dann auch getan und mit Marie aus dem Bandbüro geschrieben. Hier schrieb ich doch die eine oder andere Mail. Ich bekam dann die Antwort, dass die Gästeliste für das Konzert in Berlin schon „aus allen Nähten platzt“ und es daher leider nicht klappt. Mein Glück war, dass ich schon ein Ticket fürs Konzert hatte und es dadurch dann doch möglich war.

Wie lief der Tag dann ab? Für mich war es im Großen und Ganzen erst mal wie ein ganz normaler Konzertbesuch, wie ich ihn schon etliche Male erlebt habe. Nur mit dem Unterschied, dass ich meine Fototasche dabei hatte. Ein wenig aufgeregt war ich schon, weil ich erst mal die Hürde „Gästeliste“ mit der Erlaubnis, meine Kamera mit rein nehmen zu dürfen, nehmen musste. Aber das hat dann alles geklappt. Ich erhielt meinen Fotopass und war mit meiner Kamera im Huxleys. Beim Konzert durfte ich – wie auch die anderen Fotografen – während der ersten drei Songs im „Fotograben“ fotografieren. Als es losging, war ich voll in meinem Element und hochkonzentriert. Das Bild mit dem Banner „Kein Mensch ist illegal“ entstand aber erst eine Stunde später. Ich stand mitten in der Fanmenge, als die Fahnenträgerin auf die Bühne gehoben wurde. Ein Muss für ein Foto.

Gab es auch mal diesen „Jetzt-bloß-nichts-versemmeln“-Moment? Klar, den gibt es immer bei allen Fotoaufträgen. Das ist sicher vergleichbar mit der Nervosität von Künstlern und Bands vor ihrem Auftritt. Wenn das nicht mehr ist, sollte man wohl aufhören. Ich mache mir allerdings bei jedem Auftrag im Vorfeld ein paar Gedanken, was ich gerne wie festhalten möchte. Das Ganze gespickt mit einem Anteil Spontanität und der Gewissheit, dass ich meine Kamera beherrsche, wird dann meistens zu einem positiven „Das wird sicher großartig“. Meistens entscheidet sich an so einem Abend schnell, ob das gut wird oder eher nicht. An dem besagten Abend hatte ich schnell ein richtig gutes Gefühl.

Wenn Sie sich’s aussuchen dürfen: Welche Band knöpfen Sie sich als nächstes vor? Da kommen ganz viele in Frage, die ich gerne höre. Die Toten Hosen, Beatsteaks, Farin Urlaub, Broilers. Aber es darf natürlich auch etwas kleiner sein. Als nächstes stehen Madsen im Mai auf dem Fotoplan und ich würde mich natürlich freuen, wenn die Donots-Aktion sich herumspricht und Bands von sich aus an mich herantreten. Offen bin ich für alles, auch für andere Musikgenres. Ein Traum wäre es, für einen Künstler einmal die Fotos für ein neues Album oder eine ganze Tour machen zu dürfen.

Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-i.salmen@tagesspiegel.de.

Anzeige