Nachbarschaft

Veröffentlicht am 28.08.2018 von Ingo Salmen

Alexander Scheucher, hier ein Bild aus dem Jahr 1938, Kaufmann aus Mahlsdorf, am 5. November 1943 in Auschwitz ermordet.

Spätestens seit 1926 wohnte Alexander Scheucher mit seiner Frau Agnes und seinem Sohn Ludwig in der Hönower Straße 60, die ab 1938 zur Nummer 213 wurde. Er betrieb als Kaufmann mit seiner Frau bis 1933 einen Wäsche- und Trikotagen-Handel (Woll- und Kurzwaren) in der Blumenstraße 1 in Friedrichshain. Ab 1933 musste sie das Geschäft an ihren Wohnort verlegen und führten es dort noch bis zum Zwangsverkauf des Hauses 1940 weiter. Anschließend zog die Familie zur Mutter von Agnes Scheucher in die Marienburger Straße 7 in Prenzlauer Berg. Am 11. Januar 1942 wurden sie von dort zur Synagoge in die Levetzowstraße gebracht und zwei Tage später über den Bahnhof Grunewald in das Rigaer Ghetto deportiert, wo sie am 16. Januar ankamen.

Mit der Auflösung des Ghettos am 2. November 1943 wurde Alexander Scheucher nach Auschwitz überstellt, kam dort am 5. November an und wurde noch am selben Tag ermordet. Seine Frau und sein Sohn haben den Holocaust überlebt und sind in die USA übergesiedelt, dort aber inzwischen verstorben.

Am alten Zuhause der Familie wird bald an Alexander Scheucher erinnert. In der Hönower Straße 213 wird am Montag, 3. September, um 14.30 Uhr vor dem Haus ein Stolperstein für ihn verlegt. Neben Bürgermeisterin Dagmar Pohle hat sich auch der Rabbiner Walter Rothschild angekündigt und wird das Kaddisch beziehungsweise das „El male rachamim“ („Gott voller Erbarmen“) für Alexander Scheucher beten.

Die Verlegung ist auch ein persönliches Anliegen eines Bürgers. Der Mahlsdorfer Henrik Arnold ist im April 50 Jahre alt geworden. Er habe dem Leben etwas wiedergeben wollen, „was mir wichtig ist“. Seine Geschwister haben deshalb statt Geschenken den Stolperstein bezahlt. Arnold hat sich schon seit Februar daran begeben, Scheuchers Biografie zu recherchieren. Durch das Gedenkbuch des Bundesarchivs sei er auf ihn gekommen, „der in etwa in meinem Alter war, als er ermordet wurde“. Auch eine Enkelin in Florida, Rita Hoffman, konnte Arnold ausfindig machen. Sie hat die Verlegung aktiv unterstützt, wird aber nicht an der Verlegung teilnehmen können. Für Arnold ist die Geschichte damit nicht zu Ende. Er will auch noch den Nachlass des Sohnes Ludwig in den USA sichten.

Foto: Yad Vashem

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