Nachbarschaft

Veröffentlicht am 16.04.2019 von Ingo Salmen

Maya Richter wohnt in Kaulsdorf und besucht die Best-Sabel-Oberschule in Köpenick. Die 17-Jährige ist Beisitzerin im Landesvorstand der Grünen Jugend und engagiert sich für den Klimastreik „Fridays for Future“. Sie ist auch eingeladen, beim Osterweg in Marzahn (siehe Termine) ihr Anliegen vorzustellen, und will nach dem Abitur werden, was Christian Lindner gefallen dürfte: Profi. Was genau das ist, erzählt sie im Interview.

Wann waren Sie das letzte Mal freitags in der Schule? Dadurch, dass ich momentan Abitur mache, fiel es mir sehr schwer, zu den Demonstrationen zu gehen. Bei den großen war ich aber dabei und einigen weiteren, vielleicht sechs oder sieben Mal.

Was sagen Ihre Eltern dazu? Meine Eltern unterstützen das vollkommen und sagen, ich soll tun, was ich für richtig halte. Es hat einen wichtigen Grund, warum wir zu den Demonstrationen gehen: Wir wollen nicht einfach Schule schwänzen, sondern haben inhaltliche Forderungen.

Und was sagt Ihre Schule? Wenn als Grund fürs Fehlen die Demonstration angegeben wird, kann sie das nicht entschuldigen. Aber wenn zufällig ein Arzttermin auf den Tag fällt, kann sie nichts machen.

Sind Ihnen schon Nachteile durch die Teilnahme am Klimastreik entstanden? Mir selbst nicht. Es gibt einige Schulen in Berlin, die mit Tadeln drohen, aber am Ende hatte das noch keine handfesten Konsequenzen. Wenn jemand natürlich eine Klausur oder einen Test verpasst, wird das als Sechs gewertet.

Was wollen Sie mit dem Streik erreichen? Erst mal Aufmerksamkeit für das Problem. Bei vielen Erwachsenen und Parteien ist das ja jetzt auch schon gelungen. Und ich möchte Leute gewinnen, sich für unsere Anliegen zu engagieren.

Die Klimastreikbewegung hat jetzt erstmals konkrete Forderungen veröffentlicht. Dazu zählt auch ein Kohleausstieg bis 2030. Es gibt bereits den Kohlekompromiss mit dem Jahr 2038 – warum wollen Sie das nicht? Weil 2038 einfach viel zu spät ist. Es gibt natürlich das Argument, dass Arbeitsplätze gesichert werden müssen. Ich kann auch verstehen, das die Menschen Angst um ihre Arbeitsplätze haben. Aber wenn wir jetzt nichts tun, hat bald niemand mehr auf der Erde was zu arbeiten. Für die Betroffenen muss es dann eben Umschulungen und andere Maßnahmen geben.

Sehen Sie keinen Verhandlungsspielraum? Der Kompromiss macht doch Demokratie aus. Ich glaube, dass wir im Moment Schülerinnen und Schüler brauchen, die eine konsequente Position vertreten: dass unser Planet mit Kompromissen nicht weiterleben kann. Wir können das Problem nicht immer wieder nach hinten verschieben auf die nächsten Generationen. Deswegen sollten wir jetzt hart bleiben und für unseren Planeten kämpfen.

Welcher Schritt kommt jetzt als nächstes? Der nächste Schritt wäre, dass unsere Forderungen umgesetzt werden. So lange es nötig ist, streiken wir weiter.

Was machen Sie persönlich nach dem Abitur? Im Sommer will ich bei einem Logistikunternehmen ein Praktikum machen, das ich für mein Studium brauche. Im Oktober will ich dann für acht bis zehn Monate nach Spanien gehen und in einem Klimaprojekt mitarbeiten. Es handelt sich um ein Programm, das zur Umweltbildung auf nicht-schulischem Weg beitragen soll, zum Beispiel zur Müllvermeidung. Wenn ich nächstes Jahr zurückkehre, will ich hier in Berlin studieren: Wirtschaftsingenieurwesen.

Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-i.salmen@tagesspiegel.de

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