Nachbarschaft

Veröffentlicht am 10.09.2019 von Ingo Salmen

Marzahn-Hellersdorf macht wieder „Gemeinsame Sache“ – und mittendrin ist eine Freizeiteinrichtung für Kinder und Jugendliche in Biesdorf-Nord: das FiPP-Café. Wie viele andere Institutionen und Gruppierungen ruft auch sie dazu auf, durch ehrenamtliches Engagement im eigenen Kiez, der eigenen Nachbarschaft, dem gemeinsamen Zuhause etwas Gutes zu tun. Beim FiPP-Café besteht an diesem Sonnabend, 14. September, von 10 bis 16 Uhr Gelegenheit.

„Baumeister_innen“ und „Matschkönig_innen“, „Buddler_innen“ und „Gründäumlinge“ sind an diesem Freiwilligentag gefragt, wie es auf der Aktionswebsite heißt. Klingt anspruchsvoll, braucht man da irgendein Diplom? Nee, sagt Erzieher Julian Grob. „Mitmachen kann jeder.“ Trotzdem ist es keine Kleinigkeit, die sich der Jugendtreff vorgenommen hat: „Wir wollen einen Lehmbackofen bauen.“ Es gab schon mal einen im Garten des Kinder- und Jugendhauses an der Wuhle. Doch der musste weichen, weil er baufällig war und zugleich der Garten der Kita Hasenburg, die im selben Haus untergebracht ist, erweitert wurde.

Jetzt soll es aber Ersatz geben: Im (schon recht herbstlichen) Garten des Cafés steht bereits ein Fundament aus Steinplatten. Am Sonnabend soll mit vielen Helferinnen und Helfern ein Backofen aus Lehm gemauert werden – in Form einer halben Tonne. Noch am gleichen Tag soll er auch einen Regenschutz bekommen: ein Spitzdach mit normalen Dachziegeln, das auf Holzpfosten steht. „Der Ofen muss einige Wochen trocknen, dann kann er angebrannt werden“, erzählt Grob. Das könnte an einem Freitag geschehen: Denn freitags findet immer die Koch-AG statt.

„Brot kann man ganz toll darin backen, auch Pizza“, erzählt der Erzieher. „Alles, was im Ofen gemacht wird, geht auch im Lehmofen.“ Nur dass der etwas anders betrieben wird: Er wird mit Holz befeuert, das im etwa 60 Zentimeter breiten und 80 bis 100 Zentimeter tiefen Backraum angezündet und anschließend beiseite geschoben wird, um Platz für Brotlaibe und Pizzen zu schaffen. Das klingt so lecker, dass man glatt dafür bezahlen würde, doch Grob sagt: Alles bleibt zum Verzehr in der Einrichtung.

Vor dem Futtern aber steht das Schuften, und da hat sich die Einrichtung für ihren Freiwilligentag sogar noch mehr vorgenommen. Das Kinder- und Jugendhaus in der Garzauer Straße 31 ist um ein Familienzentrum erweitert worden. Durch die Absperrung der Baustelle ist ein Beet des FiPP-Cafés ganz überwuchert worden. Es soll mit vereinten Kräften am Sonnabend wieder freigelegt werden. Wer zu alldem einen Beitrag leisten will, ob Kinder, Jugendliche, Eltern oder die Nachbarschaft, kann einfach vorbeikommen und bringt im besten Fall noch Spaten, Heckenschere, Schaufel, Schubkarre oder Akkuschrauber mit, außerdem Arbeitskleidung und Handschuhe.

Der Arbeitseinsatz in Biesdorf-Nord ist eine von mehr als einem Dutzend Aktionen in Marzahn-Hellersdorf im Rahmen der Freiwilligentage „Gemeinsame Sache“ vom 13. bis 22. September. Der Tagesspiegel und der Paritätische Wohlfahrtsverband rufen schon seit 2012 jedes Jahr dazu auf, sich für die Stadt einzusetzen. Unter www.gemeinsamesache.berlin können Sie unkompliziert herausfinden, welche Aktionen es in Ihrer Nähe gibt. Natürlich können Sie auch als Initiative, Bildungseinrichtung, Gemeinde oder soziale Organisation ganz unkompliziert eine Aktion anmelden – und damit alle Nachbarn und Interessierte einladen, mit anzupacken. Vielleicht gewinnen Sie dadurch auch neue Engagiert für Ihre Sache hinzu.

Zum Thema Ehrenamt und helfende Berufe schreibt mein Kollege Gerd Nowakowski, der für den Tagesspiegel die „Gemeinsame Sache“ betreut, jetzt auch einmal im Monat – und zwar immer am zweiten Mittwoch – den Newsletter „Ehrensache“, den Sie hier kostenlos bestellen können: ehrensache.tagesspiegel.de. Der nächste erscheint am 11. September, wenn Sie bestellen, erhalten Sie sofort den derzeit aktuellen Newsletter.

Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-i.salmen@tagesspiegel.de

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