Nachbarschaft

Veröffentlicht am 29.10.2019 von Caspar Schwietering

Heiko Nitze, 47, ist Schiedsrichterobmann beim Berliner Sport Club Marzahn. Seit 2015 pfeift er Fußballspiele. Erst in der A- und B-Jugend und seit kurzem nach einigen Verletzungen im Seniorenbereich (ab Ü-30). Auf dem Foto sehen wir einen Schiedsrichter, der beschimpft wird – allerdings ist das nicht Heiko Nitze (Foto: dpa).

Zum BSC Marzahn kam Nitze, weil seine Töchter dort spielten. Nitze selbst hat zuletzt als Schüler Fußball gespielt – „noch zu DDR-Zeiten“, sagt er. Seit 30 Jahren wohnt er in Marzahn. Wir sprachen über den Schiedsrichterstreik: Weil die Schiedsrichter ein Zeichen gegen die zunehmende Gewalt auf den Fußballplätzen setzen wollten, fielen am vergangenen Wochenende alle 1600 Amateurspiele aus.

Herr Nitze, hatten Sie bei einem ihrer Spiele mal das Gefühl, das kippt gerade? Bisher – toi, toi, toi – kann ich sagen: Nein. Da klopfe ich aufs Holz.

Wie schafft man es, zu verhindern, dass das Spiel eskaliert? Gute Frage. Also wenn man direkt bei der Begrüßung ganz klar macht, was man will und den Spielern sagt, dass man sich ein schönes friedliches Spiel wünscht, bleibt es meistens im Rahmen.

Unterstützen Sie denn den Schiedsrichterstreik vom vergangenen Wochenende? Auf jeden Fall. Es muss ein Statement gesetzt werden, dass Gewalt auf dem Fußballplatz gar nicht geht. Gestern war wieder ein Vorfall in der Presse. In Hessen hat ein Spieler einen Schiedsrichter nach einem Platzverweis bewusstlos geschlagen. Wenn jemand nach zwei Verwarnungen so austickt, hat er auf dem Fußballplatz nichts verloren. So etwas muss unterbunden werden.

Sie sind in ihrem Verein auch für die Betreuung der jüngeren Schiedsrichter zuständig. Wie gehen die mit der Situation um? Die meisten meiner Kinderschiedsrichter begleite ich zu jedem Spiel. Da rede ich vorher mit den Eltern und sage: Gemach. Ihr dürft gerne Anfeuern, aber Stunk-Machen ist nicht. Den Trainern sage ich, dass die Schiedsrichter Kinder sind, die noch in der Ausbildung stecken. Das hat bisher immer gut geklappt. Wir brauchen Nachwuchs. Uns gehen ja die Schiedsrichter aus. Das ist ein Ehrenamt, wenn das so bedroht ist, hat keiner mehr Lust darauf.

Wie haben die Nicht-Schiedsrichter in ihrem Verein auf den Streik reagiert? Gab es Unterstützung von den Spielern? Prinzipiell stehen sie hinter den Schiedsrichtern. Aber es gibt geteilte Meinungen dazu, dass am vergangenen Wochenende alle Spiele ausgefallen sind. Bei den ganz Kleinen gibt es ja häufig nicht mal einen Schiedsrichter. Zumindest diese Spiele hätte man stattfinden lassen können. Da hat man die Kleinen auch ein bisschen bestraft. So müssen nun natürlich sehr viele Spiele nachgeholt werden. Aber diese Entscheidung, den ganzen Spieltag abzusetzen, kam ja nicht vom Schiedsrichter-Ausschuss, sondern vom Verband.

Was muss denn geschehen, damit sich die Situation der Schiedsrichter grundlegend verbessert? Der Verband sollte sich überlegen, die Strafen drastisch zu erhöhen. Wenn ein Schiedsrichter vermöbelt wird, sollten die Beteiligten lebenslange Strafen bekommen. Der Verband muss auch auf die Vereine zugehen, die schwierige Spieler haben, damit die das intern klären. – Interview: Caspar Schwietering
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Diesen Text haben wir dem neuen Tagesspiegel-Newsletter für den Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf entnommen. Den gibt es in voller Länge und kostenlos unter leute.tagesspiegel.de.
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