Nachbarschaft

Veröffentlicht am 19.01.2021 von Paul Lufter

Lioba Happel, Schriftstellerin und Poetik-Preisträgerin. Schriftstellerin Lioba Happel ist beim Neujahrsempfang der Alice-Salomon-Hochschule (ASH) mit dem Alice-Salomon-Poetik-Preis für 2021 ausgezeichnet worden. Die Veranstaltung musste am Wochenende pandemiebedingt online stattfinden.

Die 63-jährige Happel erhielt die Auszeichnung für ihre Lebens- und Schreibthemen, „die aus ihrer früheren Arbeit als Studentin der Sozialarbeit, als Pädagogin sowie aus ihrer Arbeit als Pflegekraft von an Demenz erkrankten Menschen resultiert“, wie es in der Begründung der Jury hieß. Mit ihrer Lyrik und Prosa könne die Autorin „zum einen durch ihre außergewöhnliche Sprache, Experimentierfreudigkeit sowie durch ihren spezifischen Rhythmus, der auch Liederzyklen evoziert, überzeugen“, heißt es weiter. Sie habe die Jury überzeugt, „weil sie nicht überzeugen will“. Statt einer Mode nachzulaufen, bleibe Happel bei sich und den Themen, die ihr wichtig sind.

Die gebürtige Aschaffenburgerin, die als freischaffende Autorin in Berlin und Lausanne lebt, studierte neben Germanistik und Hispanistik auch Sozialpädagogik und arbeitete unter anderem als Deutschlehrerin und in der Demenzbetreuung. Ihr Werk umfasst Erzählungen sowie Gedichtbände. Dabei geht es häufig um soziale, gesundheitliche und pädagogische Themen sowie Rassismus und Diversity. In ihrer Erzählung „dement“ versucht Happel etwa, lyrisch den Sprach- und Erinnerungsverlust durch Demenz darzustellen. Hier verbinden sich die Schriftstellerin und die Sozialarbeiterin Happel.

„Den Alice-Salomon-Poetik-Preis zu bekommen ist mir nicht nur eine Ehre, sondern auch eine Freude – im Spannungsfeld der Kunst der Sozialarbeit und der Kunst der Dichtung, in der sich mein ganzes Leben befindet“, sagte die glückliche Gewinnerin. Die komplette Preisverleihung und die darauffolgende szenische Lesung von Happels Erzählung „Die Feindin“ können Sie auf YouTube nachgucken.

Die Auszeichnung ist neben einem Preisgeld in Höhe von 6000 Euro auch mit der Möglichkeit für die Gewinner*in verbunden, eine Vorlesung an der ASH über die eigene literarische Arbeitsweise abzuhalten und die Südfassade zu gestalten.

Die Fassade war in der Vergangenheit ein umkämpftes Thema. Ein Gedicht von Eugen Gomringer, das dort von 2011 bis 2018 zu lesen war, hatte zu einer harten Debatte weit über die ASH hinaus geführt. Aktuell steht an der Wand ein Text von der kürzlich verstorbenen Barbara Köhler. Sowohl Köhler als auch Gomringer waren ebenfalls mit dem Poetik Preis ausgezeichnet worden. Die ASH wolle die Fassade auch weiterhin den Poetikpreisträger*innen zur Verfügung stellen, so die Rektorin der ASH, Bettina Völter. – Foto: Diana Obinja

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Dieser Text stammt aus dem Tagesspiegel-Newsletter für Marzahn-Hellersdorf. Mehr davon? Gern: Alle 12 Tagesspiegel-Newsletter für Berlins Bezirke gibt es in voller Länge und kostenlos hier – leute.tagesspiegel.de

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