Nachbarschaft

Veröffentlicht am 16.02.2021 von Paul Lufter

Vivian Kammholz will zusammen mit anderen Eltern eine Freie Demokratische Schule für Mahlsdorf eröffnen. Vielleicht erinnern Sie sich noch, im Juli 2019 hatten wir Ihnen Frau Kammholz hier bereits vorgestellt. Damals hatte sie sich gerade entschlossen, eine Schule ohne Zensuren, Fächerstrukturen, Frontalunterricht und klassische Lehrer*innen zu gründen. Geplant war die Eröffnung damals für das Schuljahr 2021/22.

Wie geht es denn bei dem Projekt voran? „Im September 2019 haben wir eine Infoveranstaltung abgehalten“, erzählt Kammholz. Es habe damals viel positive Resonanz gegeben. Bei der Veranstaltung war auch ein Lernbegleiter der Demokratischen Schule X aus Reinickendorf anwesend. Lernbegleiter*innen ersetzen in den Demokratischen Schulen die klassischen Lehrer*innen. Dabei handelt es sich um pädagogische Fachkräfte wie Erzieher*innen, Quereinsteiger*innen oder eben auch klassische Lehrkräfte.

„2019 haben wir außerdem den Verein ‚miteinander wachsen e.V.‘ gegründet“, sagt Kammholz. Im Juli 2020 landete dann das Konzept zur Prüfung bei der Senatsverwaltung für Bildung. „Seitdem warten wir auf die Genehmigung.“ Kammholz rechnet damit, dass sich die Senatsverwaltung in den kommenden Wochen meldet. Das sich die Prüfung so in die Länge zieht, hängt wohl auch damit zusammen, dass im vergangenen Jahr vier Anträge für Freie Schulen eingereicht wurden. Das klingt erstmal wenig, doch 2019 gab es gar keine. „Und da ist auch nur eine Person für zuständig“, sagt Kammholz. Es heißt also warten.

Genug zu tun gibt es derweil aber. „Aktuell suchen wir nach einem Gebäude für die Schule“, erzählt Kammholz. „Wir haben dafür mehrere Optionen. Wir überlegen aber noch, ob wir direkt in ein größeres Gebäude ziehen und uns so später einen Umzug sparen, oder ob wir erst mal in kleinere Räumlichkeiten ziehen und später bei Bedarf in ein größeres Objekt umziehen. Beides hat seine Vor- und Nachteile.“

Ohne die Genehmigung der Senatsverwaltung kann der Verein jedoch keinen Mietvertrag unterschreiben und auch keinen Kredit aufnehmen. „Es gibt in Berlin eine fünfjährige Wartefrist für freie Schulen. In dieser Zeit müssen sich die Schulen komplett selbst finanzieren“, sagt Kammholz. Deshalb sei ein Kredit notwendig. „Danach zahlt das Land 93 Prozent der Lehrergehälter.“ Eltern müssen deshalb ein monatliches Schulgeld entrichten. „Wie hoch das genau sein wird, lässt sich aktuell noch nicht hundertprozentig sagen“, sagt Kammholz. Sie rechnet jedoch damit, dass der Betrag zwischen 200 und 250 Euro liegen wird.

Auch die Suche nach Lernbegleiter*innen läuft aktuell noch. Drei sucht der Verein für die Schule, mindestens eine davon muss eine vollständig ausgebildete Lehrkraft sein. Potenzielle Schüler gebe es bereits genug. Rund sieben Familien hätten derzeit Interesse bekundet. Starten soll die Schule mit zehn bis 15 Kindern.

„Aktuell halten wir an dem Plan fest, die Schule zum Schuljahr 2021/22 zu eröffnen“, sagt Kammholz. Auch für die nächsten drei Schuljahre gebe es bereits genug Interessent*innen. 30 bis 40 Kinder seien auf der Liste.

Falls Sie Interesse an dem Projekt haben, am Samstag, dem 27. Februar, findet um 15 Uhr eine Online-Infoveranstaltung statt. Anmelden können Sie sich via Mail an info@miwa-schule.de. Die Schule sucht zudem weiterhin nach potenziellen Lehrer*innen und Unterstützer*innen. „Außerdem planen wir für den kompletten März eine Osteraktion zusammen mit den Geschäften im Bezirk“, sagt Kammholz. „Dafür wollen wir in den Schaufenstern Ostereier mit Buchstaben verstecken, die am Ende ein Lösungswort ergeben. Eine Art Schnitzeljagd, bei der man gleichzeitig verschiedene kleinere Läden entdecken kann.“ Auch dafür werden noch Ladenbetreiber*innen gesucht, die sich mit ihrem Schaufenster und vielleicht auch einem Gewinn beteiligen wollen. – Foto: privat

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Dieser Text stammt aus dem Tagesspiegel-Newsletter für Marzahn-Hellersdorf. Mehr davon? Gern: Alle 12 Tagesspiegel-Newsletter für Berlins Bezirke gibt es in voller Länge und kostenlos hier – leute.tagesspiegel.de

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