Nachbarschaft

Veröffentlicht am 09.03.2021 von Paul Lufter

Karl-Heinz Gärtner, Jahrgang 1953, Ortschronist von Biesdorf. Seit frühester Kindheit hat Karl-Heinz Gärtner ein Interesse für historische Dinge. Schon in seiner Kindheit in Mahlsdorf sammelte er Briefmarken. 1979 zog Gärtner nach Biesdorf, wo er bis heute lebt. „Die Initialzündung war aber ein Frühlingsfest in Marzahn, bei dem es ein Geschichtskabinett mit historischen Fotos gab“, erklärt Gärtner. In diesem Frühling im Jahr 1980 sei sein Geschichtsinteresse so richtig geweckt worden.

Gärtner fing daraufhin an, sich mit der Geschichte seiner Heimat zu beschäftigen. Der gelernte Kfz-Mechaniker begann Postkarten aus dem Bezirk zu sammeln. Heute hat er über 2000 Stück für Marzahn-Hellersdorf. Nach der Wende wurde er Mitglied des neugegründeten Heimatvereins Marzahn-Hellersdorf und schließlich im Jahr 2000 der Ortschronist für Biesdorf. Die Idee dazu stammte vom damaligen Vorsitzenden des Vereins. Aber was macht denn so ein Ortschronist?

„Vor allem beantworte ich Anfragen von Bürgern“, erklärt Gärtner. Im Jahr seien das zwischen zehn und 15 Anfragen. Zusätzlich gebe es aber auch immer wieder Anfragen vom Bezirksamt. Zudem hält Gärtner Vorträge, er forscht und archiviert und schreibt für das Jahrbuch des Heimatvereins. „Ich schreibe sehr viel“, erklärt er. „Inzwischen brauche ich kaum noch eine Bibliothek.“ Mit seiner Expertise ist Gärtner immer wieder gefragt. Zuletzt schrieb er für den Elsengold Verlag für die Reihe „Berliner Spaziergänge“ das Heft für Marzahn-Hellersdorf, das am Mittwoch erscheint.

Als Gärtner dafür vor einem halben Jahr angefragt wurde, zögerte er. „Ich hatte eigentlich keine Zeit“, erklärt Gärtner. Denn aktuell forscht Gärtner, der inzwischen in Rente ist, zu Paul Großmann. Großmann findet auch im Heft Erwähnung. Auch er war einst Ortschronist, aber auch Poet. Für Großmann möchte Gärtner ein Werksarchiv anlegen. „Angeblich soll Großmann 140 Texte verfasst haben. Ich bin bei meinen Nachforschungen bereits auf 170 Texte gestoßen“, erzählt er. Bei seiner Recherche hat er ein europaweites Netz zu Bibliotheken und Archiven gesponnen. Da blieb eigentlich keine Zeit für eine neue Aufgabe. „Am Ende habe ich mich aber überreden lassen“, sagt Gärtner amüsiert.

Das Heft ist viel mehr als nur ein Wegeführer durch den Bezirk geworden. Mit vielen historischen Fotos und Hintergrundgeschichten angereichert, richtet es sich nicht nur an Touristen, sondern an alle, die etwas mehr über den Bezirk und seine Geschichte lernen wollen. „Meine Intention war es, historische Orte hervorzuheben“, erklärt Gärtner. „Die alten Dörfer, die einst da standen, wo heute alles bebaut ist, sollten nicht vergessen werden.“ Am liebsten hätte Gärtner noch mehr als die im Heft enthaltenen 68 Seiten geschrieben. „Ich musste mich kurzfassen. Als Chronist hat man ja viel zu erzählen.“

Biesdorf ist ein wichtiger Teil in Gärtners Leben. „Ich wohne seit 40 Jahren hier“, erklärt er. „Ich will hier nicht mehr weg. Ich mache hier, so lange wie ich kann.“ Was Gärtner am Bezirk stört, ist der Umgang mit historischen Bauten. „Vieles wird einfach abgerissen oder nicht mehr gepflegt.“ Für ihn ist es wichtig, dass die Geschichte nicht vergessen wird. Dafür setzt sich auch der Heimatverein ein. Dort wird übrigens händeringend nach Nachwuchs gesucht, wie Gärtner erzählt. Auch ein neuer Ortschronist für Mahlsdorf muss aktuell gefunden werden.

Fragt man Gärtner nach seinem liebsten Wanderweg, muss er keine Sekunde überlegen. „Der Wanderweg an der Wuhle ist herrlich.“ Sein Lieblingsort im Bezirk ist jedoch das Schloss Biesdorf und der Schlosspark. Seit seiner Jugend ist Gärtner mit dem Ort verbunden. In den 60er-Jahren besuchte er im Schlosspark die Ferienspiele, eine Art Ferienzeltlager. Im Jugendalter besuchte er im Schloss Veranstaltungen. Bis heute sitzt die Verbindung tief. Als Erwachsener begann Gärtner schließlich zur Geschichte des Schlosses zu recherchieren. „Ich bin verliebt in diesen Ort“, sagt er.

Das Heft von Karl-Heinz Gärtner zu Marzahn-Hellersdorf in der Reihe Berliner Spaziergänge des Elsengold Verlag erscheint am Mittwoch, dem 10. März, im Handel und kostet fünf Euro. 

Foto: privat

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