Nachbarschaft

Veröffentlicht am 01.02.2022 von Johanna Treblin

Dass Marzahn-Hellersdorf keine Bezirksbürgermeisterin mehr hat, stellt den Frauenbeirat vor eine neue Frage: Hat auch Gordon Lemm (SPD) als Bezirksbürgermeister qua Amt das Recht, als ständiger Gast an den Sitzungen des Frauenbeirats teilzunehmen? Die Frage muss das Gremium gemeinsam entscheiden, wenn es gewählt ist. Die Wahl steht an, Bewerbungsschluss ist der 11. Februar. Bewerben können sich alle Frauen, die im Bezirk leben und/oder arbeiten.

Yvonne Schumann hat sich schon entschieden: Sie wurde 2017 neu in den Frauenbeirat gewählt, wurde im Laufe der Legislaturperiode sogar eine von zwei Sprecherinnen des Gremiums. Und will auch künftig weiter dabei sein.

Der Frauenbeirat ist ein vom Bezirksamt berufenes Gremium, das aber selbstständig und unabhängig arbeitet. Er soll die Interessen und Belange der Frauen im Bezirk vertreten und fördern. Die Mitglieder sollen möglichst divers sein, also aus unterschiedlichen Ortsteilen kommen, es sollen sowohl junge als auch ältere Frauen dabei sein und sie sollen ganz verschiedene Schwerpunkte vertreten, so zum Beispiel Arbeit und Beruf, Sport, Kunst und Kultur, Wirtschaft, Gesundheit, Migration und Integration, Wissenschaft, Inklusion, Alleinerziehende, Seniorinnen, Mädchen und Kinder.

Schumann vertritt den Bereich Sport. Sie ist seit 2005 Mitglied im Frauenfußballclub Marzahn-Hellersdorf, damals trat sie als Spielerin ein. 2007 gründete sie eine Mädchengruppe und wurden deren Übungsleiterin. 2015 wurde sie Vorsitzende des Clubs. Fußball spielt sie heute kaum noch – weil sie wenig Zeit hat, aber auch nicht mehr gut mithalten kann mit den jungen Spielerinnen, sagt sie – in der Erwachsenenmannschaft spielen bereits 16-Jährige. Beruflich macht Schumann etwas ganz anderes: Sie ist Mikrosystemtechnikerin und arbeitet in Adlershof bei einem Unternehmen, das mit UV-Messtechnik beschäftigt ist.

Für den Frauenbeirat bewarb sie sich 2017, um dabei zu helfen, dass mehr Frauen und Mädchen Mitglied in Sportvereinen werden – und dort auch gefördert werden. Thema war in den vergangenen Jahren immer wieder die Frauensporthalle – die einzige ihrer Art in Berlin. Schumann setzt sich dafür ein, deren Finanzierung zu sichern.

Der Beirat hat zehn Sitzungen im Jahr, normalerweise je zwei Stunden am Abend. Dort werden unterschiedliche Schwerpunkte behandelt. Zuletzt ging es vor allem um die unterfinanzierten Frauenzentren, die im kommenden Haushalt weniger Geld als benötigt bekommen sollen. Vielleicht ein erster Erfolg: Am Donnerstag hat die Bezirksverordnetenversammlung über einen Antrag beraten, in dem sie sich dafür ausspricht, die Finanzierung doch zu sichern. Der Antrag ist noch nicht beschlossen, er wurde in die Ausschüsse verwiesen.

Jede Fraktion kann und soll eine Vertreterin bestimmen, die dann an den Sitzungen des Frauenbeirats als Gast teilnimmt. Oft werden Referent:innen eingeladen, so zum Beispiel zu den Themen Armut und Housing First (Wohnungen für obdachlose Menschen). Der Frauenbeirat erarbeitet dann Stellungnahmen, formuliert Pressemitteilungen. Vor der Wahl im September richtete er Forderungen an die Parteien. Es gab Diskussionsveranstaltungen und Ausstellungen.

Zu manchen Themen werden Arbeitsgruppen gebildet, die sich auch zwischen den Sitzungen treffen. Dazu kommen Netzwerktreffen mit Vertreter:innen von Frauenbeiräten der anderen Bezirke.

  • Foto: Privat
  • Wer Lust hat, aktiv zu werden, ein feministisches Interesse hat und sich frauenpolitisch engagiert, findet hier weiter Informationen und das Bewerbungsformular.
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