Intro
von Laura Hofmann
Veröffentlicht am 09.03.2018
gerade noch hat die ganze Stadt über Obdachlosigkeit gesprochen, jetzt sind ein Drittel der insgesamt nur 30 Übernachtungsplätze ausschließlich für Frauen in akuter Gefahr. Die Unterkunft für obdachlose Frauen Evas Haltestelle in der Bornemannstraße in Wedding, muss zum 31. Mai ihre Räume verlassen. Der Vermieter wollte schon lange sanieren, mit Gentrifizierung habe das nichts zu tun, betont die Leiterin Elke Ihrlich. Doch an der Situation ändert das nichts: Findet der Träger, der Sozialdienst katholischer Frauen, keine neue Bleibe, verlieren jährlich etwa 200 Frauen, die auf der Straße leben, ihren oft einzigen Rückzugsort. Besonders bitter ist, dass auch der zweite Standort des Trägers, Evas Obdach in der St. Hedwigs-Kathedrale, zum Ende des Jahres schließen muss. Dieser war vor zwei Jahren übergangsweise in der Kirche untergekommen. Auch wenn das Bezirksamt ihnen tatkräftig bei der Suche hilft und der Senat sie finanziell stärkt – das Problem ist: Es gibt keine Immobilien. Und viele Vermieter vermieten nicht gerne an Obdachlose.
„Es drückt und drängelt, wir wollen auf jeden Fall weitermachen“, sagt Ihrlich. Evas Haltestelle bietet den Frauen neben der Möglichkeit, sich zu waschen, zu essen und zu ruhen, auch Kurse an: zum Beispiel Malen, Polnisch oder Entspannung. Dafür stehen eine Sozialarbeiterin und ein Team aus 20 Ehrenamtlichen zur Verfügung. Wenn die Frauen ihre Lebensumstände ändern wollen, werden sie hier auch beraten. „Wir erreichen etwa 200 Frauen pro Jahr“, berichtet Ihrlich. Und viele Frauen kommen zu Eva, weil sie schlechte Erfahrung mit Männern gemacht haben und sich nur in einem nur für Frauen zugänglichen Ort sicher fühlen. Wenn sich Ihrlich etwas wünschen dürfte, dann wäre das ein Gelände, auf dem beide Projekte – Evas Haltestelle und Evas Obdach – Platz fänden. Mindestens 150 Quadratmeter sollen es aber sein, losgehen sollte es im November. Und in Wedding wollen die Evas auch bleiben, um ihre Gäste nicht zu verlieren. Wer etwas weiß oder sogar selber Räume zu vermieten hat, kann sich per Mail bei Elke Ihrlich melden.
Laura Hofmann arbeitet in der Berlin-Redaktion des Tagesspiegels. Ihre erste Berliner Wohnung war im Wedding, hierher kehrt sie immer gerne zurück. Heute wohnt sie an der Grenze zwischen Prenzlauer Berg und Mitte, den Fernsehturm immer fest im Blick. Schreiben Sie ihr eine Mail oder folgen Sie ihr auf Twitter oder Facebook.