Intro

von Laura Hofmann

Veröffentlicht am 01.06.2018

Weddings Jugend fährt jetzt Rad. Ausschließlich, die gehen keinen Meter mehr. Das beobachtet zumindest der „Weddingweiser“. Breitbeinig und natürlich nur mit einer Hand radelnd seien die Nachwuchs-Gangster im Kiez unterwegs – seit sie die Zahlenkombi herausgefunden haben, mit der man die Drahtesel kommerzieller Anbieter, die Bürgermeister Stephan von Dassel am liebsten aus Mitte verbannen möchte, umsonst ausleihen kann. Das geht anscheinend recht einfach, wenn man im Internet ein bisschen sucht. Besonders leicht zu knacken scheinen die knallgelben Räder der chinesischen Firma Ofo zu sein. So einfach geht Gesundheitsförderung. Deswegen schlägt Autorin Dominique Hensel vor: „Vielleicht telefoniert mal jemand aus dem Senat mit Peking und überweist diskret eine mittlere Summe – und verschafft den Weddinger Jugendlichen damit eine legale Dauerflat fürs Leihrad.“

Das Phänomen geht übrigens über den Wedding hinaus. Gestern Nachmittag auf dem Weg zum Tagesspiegel sah ich am Askanischen Platz drei Jugendliche, die für Leihradfahren eigentlich zu cool sind, auf den Drahteseln. Doch bevor ich sie fragen konnte, ob sie für die Beförderung nun zahlen oder nicht, waren sie wie ein knallgelber Blitz bereits an mit vorbeigeschossen. Ach, und: Das Problem mit den fehlenden Parkplätzen für Leihfahrräder ist gelöst (Beweisfoto von Chefredakteur Lorenz Maroldt hier).

Laura Hofmann arbeitet in der Berlin-Redaktion des Tagesspiegels. Ihre erste Berliner Wohnung war im Wedding, hierher kehrt sie immer gerne zurück. Heute wohnt sie an der Grenze zwischen Prenzlauer Berg und Mitte, den Fernsehturm immer fest im Blick. Schreiben Sie ihr eine Mail oder folgen Sie ihr auf Twitter oder Facebook.