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von Laura Hofmann

Veröffentlicht am 29.08.2018

„Safe-Hub“ wird Europas erstes Fußball-Bildungszentrum – und das im Wedding. Seit drei Jahren geplant, wurde am gestrigen Dienstag nun der Vertrag zwischen dem Bezirksamt und der privaten Stiftung Amandla gGmbH unterzeichnet. Mit „innovativen Sport-Bildungsprogrammen“ sollen Kinder und Jugendliche aus finanzschwachen und bildungsfernen Milieus gefördert werden. Als Schwerpunkt wird die Vermittlung von Sozialkompetenzen und arbeitsmarktrelevanten Fähigkeiten genannt.

Dafür entstehen drei Fußballfelder sowie ein multifunktionales Sportzentrum auf einer Fläche von rund 4100 Quadratmetern des Grundstücks Antonstraße 37/Ruheplatzstraße 4 unweit des Leopoldplatzes. Genau an dem Ort, wo sich der Gemeinschaftsgarten „Himmelbeet“ über Jahre erfolgreich etabliert hat. „Es war klar, dass das irgendwann kommen würde“, sagt Meryem Korun aus dem Himmelbeet-Kernteam. Die Gärtner, die neben dem Urban Gardening auch Film, Tanz und Workshops anbieten, wissen nun nicht wohin mit ihren Beeten.

Schulstadtrat Carsten Spallek (CDU) sagte am Dienstag: „Ich freue mich sehr, dass Amandla den Wedding als Standort gewählt hat und wir nach langwierigen und komplexen Verhandlungen nunmehr einen Nutzungsvertrag unterschreiben konnten. Besonders freut mich die mit Amandla vertraglich fixierte Vereinbarung, dass Himmelbeet e.V. als bisheriger Nutzer noch bis zum 30.10.2019 das Grundstück nutzen kann und somit nicht nur diese Saison gesichert ist, sondern auch ausreichend Zeit für die Suche eines Alternativstandortes bleibt.“

Die Suche nach einem neuen Grundstück verläuft allerdings schon seit drei Jahren erfolglos, trotz Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung und Beteuerungen aus dem Bezirksamt. Für Gemeinschaftsgärten wie das Himmelbeet gebe es in der Verwaltung keine klare Zuständigkeit, klagt Korun. Ob sie innerhalb eines Jahres einen neuen Ort für ihre grüne Oase finden, bezweifelt sie: „Wir wissen alle, dass die Verwaltung sehr langsam arbeitet.“

Ab Oktober 2019 soll die Sportanlage, die wöchentlich für 15 Stunden von Schulklassen aus der Umgebung genutzt werden kann und auch Sportvereinen offen stehen wird, gebaut werden. Ende 2021 soll sie fertig sein. Das Multifunktionsgebäude (Bildungszentrum), bietet Raum für den Sportbetrieb, ein Café, Veranstaltungen, Workshops und Büros. Die notwendigen Investitionskosten werden auf rund vier Millionen Euro geschätzt.

Es bleibt der Eindruck, dass hier ein tolles soziales Projekt gegen ein anderes tolles soziales Projekt ausgespielt wird. Und die Überzeugung, dass beide im Wedding ihre Daseinsberechtigung haben. Das sieht auch der Senat so.

Laura Hofmann arbeitet in der Berlin-Redaktion des Tagesspiegels. Ihre erste Berliner Wohnung war im Wedding, hierher kehrt sie immer gerne zurück. Heute wohnt sie an der Grenze zwischen Mitte und Kreuzberg, die Türme des Potsdamer Platzes immer fest im Blick. Schreiben Sie ihr eine Mail oder folgen Sie ihr auf Twitter oder Facebook.

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