Intro

von Corinna Cerruti

Veröffentlicht am 16.01.2019

Dies ist mein erster Leute-Newsletter und bevor Sie und ich uns kennen lernen, muss ich Ihnen gestehen: Ich bin eine Zugezogene. Die vielen Vorurteile sind mir bekannt. Ich bin das Feindbild der Gentrifizierungsgegner, der fremde Einfluss aus Westdeutschland, vor dem der Urberliner sich fürchtet und gegen den er nicht müde wird, zu wettern.

Aber ich muss ihnen noch etwas gestehen: Ich bin verliebt, verliebt in Berlin. Unsere Liaison besteht noch nicht lange, vor über zwei Jahren hat es mich in die Hauptstadt gezogen, des Studiums wegen und der großen Versprechungen. Die erste Wohnung war in Wedding, sogar außerhalb des Rings. Dort war es gar nicht hip und trendy, so wie alle immer im Rest Deutschlands erzählen. Es war einfach nur rau und irgendwie vertraut. Genau das, was ich aus dem bergischen Land in NRW kannte.

Zu Beginn einer neuen Verliebtheit ist die Aufregung noch groß. Es gilt so viele Facetten des neuen Objekts der Begierde zu entdecken. „Warst du schon auf der Museumsinsel, bei der Bareröffnung oder beim Stück dieses alternativen Theaterkollektivs?“, schallt es von allen Seiten. 24 Stunden am Tag sind da nicht genug.

Doch langsam legt sich der Trubel. Es scheint sich was Ernstes zu entwickeln. Immer öfter verschlägt es mich in neue Bezirke, neue Kieze, neue Nachbarschaften bis an den Rand Berlins. Die Stadt zeigt mir all ihre Seiten, egal ob oberflächlich glänzend oder tiefgreifend schmutzig. Die Liebe wird tiefer und echter.

Der Ursprung liegt jedoch in Berlin-Mitte. Und geht es nicht allen Zugezogenen so? Sind wir nicht alle irgendwie auf Klassenfahrten oder Wochenendtrips in die große Stadt gefahren, von Brandenburger Tor bis Alexanderplatz getingelt, und haben etwas Zugluft im U-Bahn-Tunnel genossen? Wer sich so wie ich in Berlin verliebt hat, hat hier angefangen, und danach – als die ersten Schmetterlinge verflogen sind – seinen Platz gefunden. Vielleicht in Mitte, vielleicht woanders. Doch so wie sich Paare immer wieder an ihr erstes Date, ihre ersten Liebeleien erinnern, so kehre ich immer wieder gerne nach Mitte zurück. Dorthin wo alles begann.

Corinna Cerruti arbeitet in der Berlin-Redaktion des Tagesspiegels. Ihre erste Berliner Wohnung war im Wedding. Heute wohnt sie in Kreuzberg und spaziert am liebsten am Landwehrkanal entlag. Dort grüßt sie dann den oder die ein oder andere*n Hausbesetzer*in. Schreiben Sie ihr eine Mail oder folgen Sie ihr auf Twitter.

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