Intro

von Laura Hofmann

Veröffentlicht am 22.05.2019

baden in der Spree, mitten in Berlin. Vor der Kulisse des Berliner Doms, des Bode-Museums und des wiedererrichteten Stadtschlosses. Was für viele Berliner ein Traum ist, der 2025 Wirklichkeit werden soll – da sind sich Regierungsfraktionen und Opposition einig – ist für die Arbeitsgemeinschaft der historischen Bürgervereine ein Albtraum. „Es ist nicht wünschenswert, die Fischerinsel in ein Biotop, den blinken Wasserspiegel des Spreekanals in einen Schilffteich und den Kupfergraben in ein Prinzenbad zu verwandeln“, sagt Benedikt Goebel vom Bürgerforum Berlin. Außerdem sei das Projekt weder genehmigungs-, noch realisierungsfähig. „Ein 1000 Meter langes Flussbad im Spreekanal braucht Berlin nicht“, heißt es in einer Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft. Innerhalb und außerhalb der Stadt gebe es bereits viele schöne Badestellen. Die Mitte sei dafür kein Ort.

Im Gegenteil: Die fünf Vereinsvorsitzenden – übrigens allesamt Männer – sehen im Flussbad „eine Gefahr für das Umfeld“, weil es die Ufermauern des Kupfergrabens, die trotz Krieg im Wesentlichen erhalten blieben, zerstören würde. „Eine Stadt lebt davon, dass es Räume gibt, die einen besonderen Charakter haben“, schreiben sie. „Das sind in der Mitte der Städte oftmals Orte mit kultureller Bedeutung, die Ruhe und Konzentration ausstrahlen.“ Umkleidekabinen, Toiletten, Liegewiesen und Wasserzugänge würde dagegen eine „Eventisierung“ der historischen Mitte bedeuten.

 „Die in den Vordergrund gestellten ökologischen Überlegungen haben hintenan gestellt zu werden“, fordern Goebel und Co. Die bisherigen Analysetätigkeiten des Flussbad-Vereins hätten außerdem kein verwertbares Ergebnis gebracht. Um die Wasserqualität des Flusses und des Seitenkanals nachhaltig zu verbessern, sei dagegen dringend ein Umbau der vorhandenen, veralteten Mischwasserkanalisation erforderlich. Nur wenn durch Umbau die Einleitung von verschmutztem Regenwasser verhindert werde, sei eine Reinhaltung des Spreewassers möglich. Sie fordern, die Verträglichkeit des Flussbades mit dem Welterbestatus der Museumsinsel durch die UNESCO zu prüfen. Bis dahin sei das Projekt auszusetzen. Nicht erklärbar sei für die Männer, warum auch ohne diese Prüfung bereits über zehn Millionen Euro der Steuerzahler in das Projekt geflossen seien.

Im April hatten Bund und Senat verkündet, für die Planung und den Bau der ersten Freitreppe als Wasserzugang für das Flussbad insgesamt 6,4 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen.  In den vergangenen Jahren waren bereits vier Millionen Euro als „Entwicklungsförderung“ in das Projekt gegeben worden.

Am 16. Juni findet der fünfte Flussbad-Pokal statt, für den man sich hier anmelden kann.

Laura Hofmann ist Redakteurin für Landes-und Bezirkspolitik beim Tagesspiegel. Ihre erste Berliner Wohnung war im Wedding, hierher kehrt sie immer gerne zurück. Heute wohnt sie an der Grenze zwischen Mitte und Kreuzberg, die Türme vom Potsdamer Platz fest im Blick. Schreiben Sie ihr eine Mail oder folgen Sie ihr auf Twitter oder Facebook.

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