Intro

von Carmel Schnautz

Veröffentlicht am 17.06.2019

in der Alten Münze scheint es zu einer Menge Frustration gekommen zu sein. Am Donnerstag den 13. Juni kam das Beteiligungsverfahren Alte Münze der Senatsverwaltung für Kultur zum Abschluss. Seit Februar wurden in vier Workshops Wege zur Transformation der Alten Münze in einen gemeinnützigen Kulturstandort entwickelt. Heraus kam ein Konzept, das der freien Szene und der Musiklandschaft in Mitte mehr Raum bietet.

Darüber ärgern sich Vertreter*innen der Designszene in Berlin. Pascal Johanssen, Vorsitzender des Meisterrates „German Craft Council“, nahm für das „Direktorenhaus“ an den Workshops teil. Das ist mit zehn Jahren der älteste Ankermieter der Münze. Es bezeichnet sich selber als „Transitzone für Kunsthandwerker, Designer und Manufakturen“ und hat eine Vision der Münze als ein Forum für nachhaltige kulturell-kreative Zukunftskonzepte – mit einem Schwerpunkt auf Design und angewandte Kunst.

Berlin ist Unesco-„City of Design“. Dennoch, sagt Johanssen, gebe es keine Orte, an denen man das sehen könnte. Dagegen gebe es zum Beispiel sehr viele Orte und viel Förderung für die Musik in Berlin. Laut Johanssen schienen die Interessengruppen der freien Szene, der Musik und der Spreewerkstätten in den Beteiligungsworkshops überproportional vertreten gewesen zu sein. In den Augen des Direktorenhauses wurden die „Minderheitenmeinungen mundtot“ gemacht. Johanssen spricht von einem Verhältnis von 37 zu 3 in dem Workshop; zu diesen drei, die nicht zu dem „Interessenkomplex“ Freie Szene/ Spreewerkstätten/ Musik gehörten, zählten neben ihm selber noch Jürgen Schepers der IHK und Victoria Ringleb der Allianz Deutscher Designer.

Johanssen sagt: „Während des Workshops wurden Positionen unserer „Minderheit“ marginalisiert. Am Anfang des Workshops wurden noch die verschiedenen Konzepte ausgestellt (u.a. auch unseres) und Kultur- und Kreativwirtschaft war ein Thema. Jetzt, bei der Ergebnispräsentation, war das seit neun Jahren existierende Konzept des Designforums nicht einmal eine Erwähnung wert.“ Außerdem hätten Johanssen und andere Vertreter*innen der Kreativwirtschaft gerne die schriftliche Zusammenfassung der Workshops gegen gelesen, bevor sie der Öffentlichkeit präsentiert wurde. „Die Möglichkeit hatten wir nicht, das Dokument wurde uns unmittelbar vor dem Forum zugeschickt.“

Victoria Ringleb, Geschäftsführerin der Allianz Deutscher Designer, stimmt ihm da zu: „Mit Blick auf das Potential, das die Alte Münze für das kreative Berlin haben könnte, gibt das Ergebnis ein trauriges Bild ab. Die im Verlauf des Verfahrens entstandene Charta redet in §5 von Vielfalt und Interdisziplinarität, davon sind wir sehr weit entfernt. Das Schlimme daran ist, dass dies nicht aus Versehen passiert ist, sondern intendiert war.“

Als Vertreter der IHK und damit dritter im Bunde der „Minderheit“, ist Jürgen Schepers zwar auch der Meinung, dass die Kreativwirtschaft etwas prominenter hätte vertreten sein können, zumal der Anteil der freien Szene unverhältnismäßig hoch war. Dennoch meint er, „dass von Anfang an klar kommuniziert wurde, dass der Schwerpunkt in der Nutzung der alten Münze bei Musik und Kultur liegen sollte. Von daher ist es in gewisser Weise auch logisch, dass deren Anteil beim Beteiligungsverfahren höher gewesen ist. Wie bei allen Minderheiten, bedarf es dann einer entsprechenden Kraft der Durchsetzung. Und bei der Mehrheit gilt im Umkehrschluss der Umstand, dass sie die Minderheit anteilsmäßig entsprechend berücksichtigt. Das war bei den Workshops alles andere als einfach.“

Auch Daniel Wesener, Mitglied des Abgeordnetenhauses (Grüne), war bei zwei der öffentlichen Foren dabei. Seine Wahrnehmung sei eine andere gewesen, sagt er. Er könne die „unterschiedlichen Perspektiven der verschiedenen Teilnehmenden aber durchaus nachvollziehen“, da hier Bestandsmieter auf Vertreter*innen der freien Szene treffen und um dieselbe „Ressource Raum“ konkurrieren würden. Er empfindet die Präsentation der Ergebnisse am 13. Juni als gelungen, Klärungsbedarf sehe er jedoch bei „einigen – für die Entwicklung eines ‚Kulturstandorts Alte Münze‘ – wichtigen Parametern, wie möglichen Betreibermodellen und relevanten Finanzierungsdetails“.

Ob das jetzt die Nachbeben dieses Verfahrens waren oder ob es nochmal richtig knallen wird, bleibt in der nächsten Zeit zu beobachten.

Carmel Schnautz ist Praktikantin beim Leute und Checkpoint Newsletter. Schreiben Sie Ihr eine Mail.

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