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von Julia Weiss
Veröffentlicht am 18.03.2020
für das Gesundheitsamt Mitte ist das Coronavirus die wohl größte Herausforderung seiner jüngeren Geschichte. Doch gerade in dieser Situation herrscht im Amt Personalmangel. 12,5 Stellen sind momentan nicht besetzt. Das geht aus der Antwort auf eine Anfrage der Linken hervor. Um die Krise trotzdem zu bewältigen, müssen laut Bezirksstadtrat Ephraim Gothe nun andere Aufgaben liegenbleiben. Als Grund für den Personalmangel nennt er die zu niedrige Bezahlung im Vergleich zu anderen potentiellen Arbeitgebern.
Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes sind momentan dabei, Kontaktpersonen von Infizierten ausfindig zu machen. Dann fahren sie zu ihnen nachhause, um sie zu testen. Außerdem betreuen sie eine Hotline für Verdachtsfälle und halten Kontakt zu den Personen in häuslicher Quarantäne. (Den Arbeitsalltag des Gesundheitsamtes Mitte in der Krise hat das ARD-Mittagsmagazin in diesem Film festgehalten.)
Ist diese Aufgabe momentan noch zu schaffen? „Die Amtsärzte sprechen sich in kurzen Abständen ab, um die sich rasch ändernde Lage bestmöglich zu beherrschen“, sagt Gothe auf Anfrage. Mehr könne er nicht sagen, für die Kommunikation sei nun der Senat zuständig. Bereits jetzt gibt es aber aus mehreren Bezirken Berichte von Betroffenen, die sehr lange auf Rückmeldung von Gesundheitsämtern warten müssen.
Falls die Zahl der Infizierten zu groß wird, muss das Gesundheitsamt seine Strategie ändern. Das schilderte die stellvertretende Amtsärztin aus Mitte, Nannette Stange, vergangene Woche im Gesundheitsausschuss. „Dann werden wir nicht mehr jede Kontaktperson ermitteln können und müssen uns auf die Risikogruppen konzentrieren“, sagte sie. Darüber hatte die „Berliner Morgenpost“ berichtet.
Unterdessen wird das öffentliche Leben in Berlin immer weiter heruntergefahren. Schulen und Kitas sind geschlossen. Auch die meisten Geschäfte sind dicht, ebenso Clubs und Bars. Eine Übersicht über alle in Berlin geltendenden Maßnahmen haben wir hier für Sie zusammengestellt. Außerdem informieren wir Sie mit unserem Newsblog.
Wieso sind die strengen Maßnahmen notwendig? Die Ausbreitung des Coronavirus zeigt laut Experten ein exponentielles Wachstum. Das heißt, sie beschleunigt sich ständig selbst, zuerst gibt es sehr wenige Infizierte, plötzlich steigt die Zahl sprunghaft an. Aktuell sind schon 10.082 Menschen in Deutschland infiziert. Diese steil ansteigende Kurve gilt es dringend zu strecken. Die Menschen sollen sich langsamer anstecken, damit das Gesundheitssystem nicht überfordert ist. Stehen nicht mehr genügend Intensivbetten für schwer Erkrankte zur Verfügung, sterben mehr Menschen.
Das Gesundheitsamt Mitte hat eine Hotline für alle Bürgerinnen und Bürger des Bezirks mit Symptomen eingerichetet. Die ist unter der Nummer 030/9018 41000 zu erreichen. Da dort allerdings sehr viele Anrufe eingehen, gibt es zusätzlich einen Online-Fragebogen für Verdachtsfälle. Wie Sie eine Erkältung besser von Covid-19 unterscheiden können, lesen Sie hier.
Lesetipp: Die globale Verbreitung des Coronavirus auf einer interaktiven Karte.
Coronavirus-FAQ: Knapp 70 wichtige Fragen und Antworten zu SARS-CoV-2
Julia Weiss ist freie Autorin beim Tagesspiegel. Schreiben Sie ihr eine Mail oder folgen Sie ihr auf Twitter.