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von Julia Weiss
Veröffentlicht am 20.04.2022
jedes Jahr gehen der Stadt Berlin tausende Mietwohnungen verloren, weil sie in Eigentum umgewandelt werden. Vergangenes Jahr war diese Quote so hoch wie noch nie: 28.595 Einheiten, 2020 waren es noch 19.189. Das teilte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf Anfrage der Abgeordneten Katrin Schmidberger (Grüne) mit.
Der Bezirk Mitte ist von dieser Entwicklung besonders stark betroffen. 3865 Mietwohnungen wurden hier umgewandelt. Noch mehr Wohnungen wurden dem Mietmarkt nur in Charlottenburg-Wilmersdorf (6222) und Pankow (4642) entzogen. Nach Mitte auf Platz 3 folgen Tempelhof-Schöneberg mit 2730, Neukölln mit 2706 und Friedrichshain-Kreuzberg mit 2656 Umwandlungen.
Grund für den starken Anstieg dürfte die nahende Einschränkung der Praxis durch den Senat gewesen sein. Viele Eigentümer nutzten somit die letzte Gelegenheit zur Umwandlung, bevor das Gesetz in Kraft trat. Der Bundestag hatte im Juni 2021 mit einer Änderung des Baugesetzbuchs beschlossen, dass die Kommunen fortan mehr Handhabe gegen die Umwandlung in Eigentumswohnungen haben sollten. Auf dieser Grundlage verbot das Land Berlin die Umwandlung in Eigentum stadtweit für alle Häuser mit mehr als fünf Wohnungen.
Aber auch schon vorher gingen zahlreiche Mietwohnungen verloren. Insgesamt wurden in Berlin 119.804 Wohnungen seit 2015 umgewandelt. Im Bezirk Mitte werden Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) zufolge weniger Mietwohnungen neu gebaut, als durch Umwandlung in Eigentumswohnungen dem Mietermarkt entzogen werden. „Die absolute Zahl sank in Mitte in den vergangenen Jahren um etwa 2000 bis 3000 Mietwohnungen pro Jahr.“
Diese Entwicklung soll die neue Regelung nun stoppen. In Zukunft ist mit viel weniger Anträgen zu rechnen. Aufgrund der vielen Umwandlungen in letzter Minute warnt die grüne Abgeordnete Katrin Schmidberger allerdings vor negativen Folgen für Mieter:innen. „Es rollt eine große Eigenbedarfskündigungswelle auf uns zu in Berlin“, sagte sie dem Tagesspiegel.