Kultur

Das endgültige Aus für die Märchenhütten

Veröffentlicht am 04.12.2019 von Laura Hofmann

Die Märchenhütten im Monbijoupark in Berlin-Mitte sind über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und beliebt. Doch die Betreiber müssen nach einer Anordnung des Bezirksamts Mitte die Hütten nun abbauen. Am 28. November versandte das Bezirksamt das Schreiben, in dem es die Nutzung für den Theaterbetrieb untersagte. Drei Tage nach Zugang soll das Theater schließen und abgebaut werden. Doch auf ihrer Facebook-Seite werben die Theater-Macher weiterhin für ihre Vorführungen bis zum 31. Dezember.

Parallel werden aktuell in einer weiteren Stätte auf dem Gelände Märchen erzählt: Im November wurde in der „Märchenscheune“ Premiere gefeiert, die in dieser Saison erstmals eröffnete. Die Macher der Scheune haben eine Genehmigung vom Bezirk, im Gegensatz zu den Hütten.

„Dem Eigentümer der Märchenhütten wurde im Verlauf des Jahres zu keinem Zeitpunkt in Aussicht gestellt, die Märchenhütten weiter betreiben zu können“, schreibt Stadtrat Ephraim Gothe (SPD). Und weiter: „Nachdem dem Bezirksamt Mitte aus dem Internet die Ankündigung des Ticketverkaufs bekannt wurde, wurde dem Betreiber rechtsverbindlich mitgeteilt, dass eine Nutzung der Märchenhütten nicht möglich ist.“ Nachdem dennoch der Ticketverkauf aufgenommen und die Premiere angekündigt worden war, habe man dem Betreiber erneut die Rechtswidrigkeit der Aufnahme der Nutzung mitgeteilt. „Hierauf erklärte der Betreiber öffentlich, den Theaterbetrieb dennoch aufzunehmen.“

„Es ist äußerst schade und ein kultureller Verlust für die Stadt, wenn das erfolgreichste freie Theater am Ende des Jahres seine Pforten schließen muss“, findet Florian Kluckert, kulturpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Er fordert den Erhalt der Märchenhütte im Monbijoupark. Damit stellt er sich gegen die Position der FDP-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung Mitte. Die hatte sich, wie Grüne, SPD und Linke, für die neuen Betreiber ausgesprochen, die nun in der Scheune Märchen aufführen.

Deswegen ist es auch durchaus ironisch, dass FDP-Mann Kluckert von „rot-rot-grünem Genossen-Filz“ spricht. Nunja. Die einzige BVV-Fraktion, die sich im Konflikt zwischen den zwei Theater-Parteien stets für die alten Betreiber um Christian Schulz ausgesprochen hatte, war die der CDU.

Zu den Hintergründen des kulturpolitischen Konflikts lesen Sie hier mehr. Text: Laura Hofmann

Dieser Text stammt aus dem neuen Tagesspiegel-Newsletter für Berlin-Mitte. Den Newsletter für Berlins zentralen Bezirk gibt es einmal pro Woche kostenlos und in voller Länge unter leute.tagesspiegel.de

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