Namen & Neues

Gegen das Vergessen

Veröffentlicht am 10.11.2017 von Laura Hofmann

„Ich reiche euch die Hand, dass ihr die Zeitzeugen werden könnt, weil es uns bald nicht mehr geben wird.“ Bewegende Worte, die Margot Friedländer gestern Abend in der Sophienkirche an uns Besucher der Vernissage des Foto-Projekts „Gegen das Vergessen“ richtete. Die 96-Jährige hat den Holocaust überlebt, genau wie die anderen vom Fotografen Luigi Toscano porträtierten Menschen, deren Bilder seit gestern überlebensgroß vor der Kirche in Mitte ausgestellt sind.

Kultursenator Klaus Lederer (Linke) hielt eine betont politische Rede. „Es ist wichtig, dass wir heute, an diesem Datum, gedenken und erinnern. Es ist umso wichtiger, da wir in einer Gegenwart leben, in der wir zunehmend auch mahnen müssen und den Anfängen wehren“, sagte er vor den etwa 500 anwesenden Menschen. „Das zeigt sich gerade auch in diesen Tagen: Seit der Bundestagswahl vom 24. September sitzen im Bundestag Abgeordnete, die den Holocaust als ‚Mythos‘ bezeichnen (Wilhelm von Gottberg, AfD), Vergleiche zwischen Juden und Deutschen als ‚Täter‘ anstellen (Martin Hohmann, AfD) oder rechtsextremen Gruppierungen nahestehen, die die ‚Wiederherstellung der völkerrechtlichen Grenzen von 1937‘  fordern (Detlef Spangenberg, AfD).“ Mit der AfD sei erstmals seit Jahrzehnten eine Partei in den Bundestag eingezogen, die in ihren Reihen Holocaustleugner und Verharmloser des Hitler-Regimes explizit akzeptiere. „Angst machen mir die 13 Prozent, die nationalistisch, rassistisch und offen rechts gewählt haben. Und mir machen auch die Angst, die sich von diesen 13 Prozent die Agenda diktieren lassen“, sagte Lederer. „Die Zeit der Gedenkrituale ist vorbei, jetzt müssen wir kämpfen.“

Die AfD-Fraktion in der BVV Mitte teilte am Donnerstagabend mit, sie habe „zum Gedenken an die jüdischen Opfer der Pogromnacht“ einen Kranz am Jüdischen Krankenhaus in der Heinz-Galinski-Straße niedergelegt. Auch der Bundestagsabgeordnete Götz Frömming, der bis vor kurzem als Lehrer am Lessing-Gymnasium in Mitte gearbeitet hat, war dabei. Der Fraktionsvorsitzende der AfD in der BVV, Eckhard Paetz, ließ sich wie folgt zitieren: „Für uns Deutsche ist der 9. November ein Schicksalstag. Mit dem Mauerfall im Jahre 1989 verbinden wir nur gute Erinnerungen. Was 1938 unseren jüdischen Mitbürgern angetan wurde, darf sich heute und in Zukunft nicht wiederholen. Es sei beeindruckend, „dass Schüler jedweder Herkunft in das Lied ’shalom alechem‘ eingestimmt haben“.

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