Namen & Neues

Petition gegen Konrad-Adenauer-Straße

Veröffentlicht am 05.01.2018 von Felix Hackenbruch

Im Bezirk soll eine Straße umbenannt werden. Nein, das ist nicht der hundertste Beitrag zum Afrikanischen Viertel und es geht auch nicht um die Mohrenstraße. Dieses Mal soll es die Konrad-Adenauer-Straße vor dem Bundestag erwischen. Zumindest, wenn es nach dem Autor und Blogger Johannes Kram geht. Er startete vor drei Tagen eine Petition, in der er fordert, die Straße Wolfgang Lauinger zu widmen. Lauinger war eines der ältesten Opfer des Paragrafen 175. Wegen seiner Homosexualität war er schon von den Nazis verfolgt worden und auch in der Bundesrepublik saß er deswegen mehrere Monate in Haft.

Im Dezember war Lauinger im Alter von 99 Jahren gestorben – ohne rehabilitiert zu werden. „Die Benennung der jetzigen Konrad-Adenauer-Straße im Blickfeld des Reichstags wäre eine angemessene Würdigung der Lebensleistung Lauingers“, schreibt Kram in der Begründung seiner Petition. Adenauer habe sich in den 50ern persönlich für die Beibehaltung der Homosexuellenverfolgung durch von den Nazis verschärfte Version des Paragrafen 175 eingesetzt. Für Kram ist sein Vorschlag ein „halb ernsthaftes Anliegen und halb im Wissen, dass er (Lauinger) seine Freude daran gehabt hätte“. Bislang haben rund 250 Leute die Petition unterzeichnet. Sollte Adenauer wider Erwarten seine Straße verlieren, bleibt ihm immerhin noch ein Trost: Der Adenauerplatz in Charlottenburg.

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