Namen & Neues

Bürger*innen entscheiden mit über die Zukunft des Checkpoint Charlie

Veröffentlicht am 25.05.2018 von Maria Kotsev

Wohnungen, Gewerbeflächen, ein Restaurant und ein “Hard Rock Hotel” – das möchte der Immobilienentwickler Trockland Management GmbH auf den beiden noch unbebauten Flächen direkt am Checkpoint Charlie errichten. Im Mai 2015 kaufte der Investor die Brachflächen westlich und östlich der Friedrichstraße. Doch das Land Berlin möchte bei der Umgestaltung des historischen Grenzübergangs auch ein Wörtchen mitreden: Auf der rund 9000 Quadratmeter großen Fläche möchte der Senat auch ein Museum des Kalten Krieges als Bildungs- und Erinnerungsort verwirklicht wissen.

Doch was halten die Berliner*innen davon? Ab dem 28. Mai startet der Bürger*innenbeteiligungsprozess, bei dem sie genau das kundtun können. Im Anschluss soll in einem städtebaulichen Workshopverfahren entschieden werden, welche Gebäude wo genau gebaut werden. Neben einer Online-Beteiliungsplattform finden in den nächsten Wochen Informationsveranstaltungen und Diskussionsrunden statt, die dem Austausch und der Meinungsbildung der Bürger*innen dienen sollen (Termine hier). Die Beteiligung läuft bis zum 25. Juni. Doch schon jetzt kann man der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hier mitteilen, welche Bedeutung der Checkpoint Charlie für einen hat, welche Konflikte man an dem historischen Ort sieht und was man sich in Zukunft für dieses Areal wünscht.

Antworten auf diese Fragen hat das Landesdenkmalamt bereits formuliert und ist den Bauplänen nicht gerade wohlgesonnen: Der Checkpoint Charlie und der Grenzübergang Friedrichstraße repräsentieren die Epoche des Kalten Krieges und somit auch die Teilung Berlins einzigartig. Da würde eine geschlossene Blockrandbebauung, wie momentan geplant, „den Ort Checkpoint Charlie in seiner historischen Bedeutung unkenntlich machen”, so das Landesdenkmalamt, das sich in einer frühzeitigen Behördenbeteiliung zum Bebauungsplan äußerte. Doch nicht nur die Pläne von Trockland stoßen auf Ablehnung: “Nach der Neubebauung würde das vorgesehene Museum zwar zum Erinnerungsort des Checkpoints und der Grenzübergangsstelle einen intellektuellen Bezug haben; dieser wäre nach dem Verlust der aus dem Kalten Krieg überlieferten stadträumlichen Wirklichkeit aber artifiziell und nicht mehr erlebbar”.

Mit seiner Kritik ist das Landesdenkmalamt aber nicht allein. Die Expert*innengruppe “Urban Catalyst”, beauftragt von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, fordern in ihrem Positionspapier ebenso eine “Abkehr von der Blockrandbebauung”. Die Umsetzung der Pläne würde den besonderen historischen Ort abwerten oder gar eliminieren und das Mauergedenkkonzept schwächen –  was die Stadt gleichermaßen für Berliner*innen sowie Besucher*innen um ein wichtiges kulturhistorisches und tourismuswirtschaftliches Potenzial bringen würde. Auch prangern die Expert*innen an, dass die momentane Konzeption die Funktion des Checkpoints als Gedenk- und Informationsstätte kommerziellen Strategien und privatem Interesse unterordnen würde. Dabei beziehen sie sich explizit auf das geplante “Hard Rock Hotel”, das keine “zeit- und sachgerechte Deutung” dieses historischen Orts ermöglicht, hingegen aber vom Mythos des legendären Grenzübergangs profitieren würde.

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