Namen & Neues

Musikkneipe ohne Musik

Veröffentlicht am 13.02.2019 von Felix Hackenbruch

Die Nussbreite in der Seestraße ist so ein Laden, weshalb man immer wieder vom Wedding behauptet, er sei im Kommen. Die Kneipe ist klein, kuschlig und mit hervorragender Bier-Auswahl. Was die Nussbreite aber eigentlich auszeichnet, sind die Live-Konzerte, die dort von Donnerstag bis Sonntag geboten werden. Unbekannte, aber talentierte Musiker bekommen hier eine Bühne. Meistens ein Mix aus Singer-Songwriter, Blues und Jazz – immer gut. Doch seit einer Weile ist es still in der Nussbreite. An einem Sonntagabend stand die Polizei plötzlich im Laden. Anwohner hatten sich durch eine Band mit Schlagzeug gestört gefühlt. „Da haben wir einmal blöd gebucht“, erinnert sich Matthias, einer der Betreiber. Er ärgert sich. Sonst habe man immer ruhigere Gruppen eingeladen, die auch jedes Mal spätestens um 22 Uhr ihr Konzert beendet hätten.

Der Polizeieinsatz könnte das Aus für die Nussbreite bedeuten. Im Zuge der Ermittlungen stellten Polizei und Ordnungsamt fest, dass die kleine Bar, die von den Freunden von Matthias großteils ehrenamtlich betreut wird, keine Konzession für Live-Musik hat. „Die haben wahrscheinlich 80 Prozent aller Kneipen in Berlin nicht – das ist gang und gäbe.“ Blöd nur, wenn das Amt davon erfährt. Die Konzession ist mit strengen Lärmschutzauflagen verbunden, vor allem wenn man sich – wie die Nussbreite – in einem Wohngebiet befindet. Einen fünfstelligen Betrag müsste man wohl für den Lärmschutz investieren. Selbst dann sei die Genehmigung eher „illusorisch“, befürchtet Matthias. Da im Oktober der Mietvertrag ausläuft, stehen die Zeichen in der Nussbreite auf Abschied. „Im Kiez ist etwas verloren gegangen“, sagt Matthias. Der Wedding, er kommt wohl nie.