Namen & Neues

Nachtigalplatz soll zum 1. Juni umbenannt werden

Veröffentlicht am 20.02.2019 von Laura Hofmann

Nun ist auch die letzte der drei Straßenumbenennungen im Afrikanischen Viertel in Wedding im Amtsblatt erschienen. In der Ausgabe vom 1. Februar teilte das Bezirksamt Mitte mit, dass der Nachtigalplatz zum 1. Juni 2019 in Manga-Bell-Platz umbenannt werde. Bis zum 15. März kann dagegen Widerspruch eingelegt werden. Davon werden voraussichtlich einige Anwohner und Gewerbetreibende Gebrauch machen, denn im Afrikanischen Viertel regt sich Widerstand gegen die Entscheidung der Bezirksverordnetenversammlung, die darauf abzielt, statt Kolonialisten afrikanische Widerstandskämpferinnen und -kämpfer im Straßenbild zu ehren. Beim Bezirksamt sind 383 Widersprüche gegen die Umbenennung der Petersallee und 378 Widersprüche gegen die Umbenennung der Lüderitzstraße eingegangen.

Ganz vorne dabei im Kampf gegen die Umbenennung ist die Initiative Pro Afrikanisches Viertel, vertreten durch Johann Ganz und Karina Filusch, die sich für Umwidmungen statt Umbenennungen ausspricht. Sie haben am Nachtigalplatz Flyer verteilt, auf denen sie Hinweise geben, wie die Widerspruchsschreiben auszusehen haben. Und sie liefern auch gleich Widerspruchsgründe mit, welche die Anwohnerinnen und Anwohner angeben können. Konkret stellen sie im Fall von Rudolf und Emily Douala Manga Bell „die Ehrungswürdigkeit einer Königsfamilie von Kolonialisten-Gnaden, die selbst schwarze Sklaven besaß und die über Jahrzehnte von der Kollaboration mit den Kolonialisten, zu Lasten anderer einheimischer Volksgruppen profitierte, in Frage“.

Historischer Hintergrund: Rudolf Douala Manga Bell (1873-1914) war König der Douala im heutigen Kamerun. Er setzte sich nach anfänglicher Kooperation mit deutschen Kolonialautoritäten gegen deren Landenteignungspolitik zur Wehr und wurde deswegen hingerichtet. Seine Frau Emily Douala Manga Bell (1881-1936) war ebenfalls eine Antikolonial-Aktivistin und kämpfte erbittert gegen die Hinrichtung ihres Mannes.

Laut Initiative sei auch die „Störung des interkulturellen und zivilgesellschaftlichen Miteinanders im Afrikanischen Viertel durch Benennung nach RepräsentantInnen feudalistischer, vordemokratischer Strukturen Afrikas und die Nichtachtung der Ehrungs-Kriterien nach Berliner Straßengesetz“ als Widerspruchsgrund möglich. Ganz und Filusch kritisieren außerdem den fehlenden Bezug zu Berlin bei den neuen Straßennamen.

Der holprige Umbenennungsprozess ist um eine weitere Anekdote reicher: In der Karten-App auf dem iPhone ist die Lüderitzstraße nicht mehr zu finden. Stattdessen ist dort bereits die Cornelius-Frederiks-Straße verzeichnet (siehe Kiezkamera), die zudem auch noch falsch geschrieben ist. Korrekt ist die Schreibweise „Fredericks“ mit „ck“. Das wurde im Oktober 2018 nachträglich zum ursprünglichen Beschluss korrigiert. Die Widerspruchsfrist gegen die Umbenennung ist am 11. Februar abgelaufen, tatsächlich umbenannt ist die Straße aber noch gar nicht. Zuerst hatte die „Berliner Woche“ darüber berichtet. Wie es zu dieser Verwirrung kommt, kann sich das Bezirksamt auch Nachfrage nicht erklären.

Bei Google Maps ist die Lüderitzstraße korrekterweise noch zu finden. Die Verwirrung erinnert an einen Vorfall vor einigen Wochen, als Anwohnerin Carsta Knaack beim Bürgertelefon der Polizei anrief und der Beamte die Petersallee zunächst nicht finden konnte, weil sie im System schon als AnnaMungunda-Straße geführt wurde.

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