Namen & Neues

Zittern bis zum Schluss und ein neues Quartier

Veröffentlicht am 06.03.2019 von Laura Hofmann

Auf den letzten Drücker konnte der Bezirk am Montag das Vorkaufsrecht für die Rathenower Straße 59 zugunsten der Berlinovo-Tochter BGG ausüben. Zu verdanken ist das vor allem dem Engagement der Mieter, allen voran Lisa Buchholz. Die 24-jährige Musikstudentin hat den Widerstand gegen den Kauf durch einen Investor organisiert, eine Petition gestartet, die über 1000 Unterschriften brachte, einen offenen Brief an Finanzsenator Matthias Kollatz geschrieben und dafür gesorgt, dass 14 von 15 Parteien einer freiwilligen Mieterhöhung auf 4,70/qm zustimmen. Klingt wenig, bedeutet für einige Bewohner des Hauses, in dem viele alleinerziehende Mütter, Rentner und Geringverdiener leben, aber eine Erhöhung von 70 Prozent.

Dass die BGG als Käuferin bei Vorkaufsrechtsfällen einspringt, ist recht neu und liegt in diesem Fall daran, dass WBM und Degewo einen Kauf aus „Wirtschaftlichkeitsgründen“ ablehnten. Der Haken: Die Tochtergesellschaft der Berlinovo unterliegt bisher nicht der Kooperationsvereinbarung zwischen Senat und landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften zur Sicherung sozialverträglicher Mieten. Doch das ändert sich jetzt vielleicht: Am heutigen Mittwoch steht bei der Koalitionsrunde zur Stadtentwicklung nämlich der Punkt „Übertragung der Kooperationsvereinbarung mit städtischen WBG auf die Berlinovo“ auf der Tagesordnung.

„Freiwillige Mieterhöhungen sind keine akzeptable Lösung“, findet Katharina Mayer von der Linksfraktion in Mitte. Stattdessen sollte die Senatsverwaltung für Finanzen die nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung stellen, um die geringen Wohnkosten für die Mieter zu erhalten.

Auch im Wedding hat der Bezirk ein Haus gesichert. Das Wohnhaus in der Prinzenallee 36 geht an die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM). Die entwickelt außerdem um die Ecke des Hauses von oben, an der Rathenower Straße 16, ein Quartier für Soziales und Kultur, Leben und Wohnen. Zu den bestehenden Nutzungen unter anderem durch Schule, Kita, Kiezküche, Moschee und soziale Träger baut die WBM rund 80 „bezahlbare Wohnungen“ sowie „besondere Wohnformen für spezielle Zielgruppen“. Noch vor dem Sommer soll das Bebauungsplanverfahren beginnen.

Der städtebauliche Entwurf für die Entwicklung des teilweise leer stehenden Quartiers steht bereits fest. Eine Jury aus Bezirksamt Mitte, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, der GSE Gesellschaft für Stadtentwicklung, der WBM und Anwohnerinnen und Anwohnern hat sich für das Konzept des Büros DAHM Architekten und Ingenieure entschieden. Dieses sieht den Neubau eines U-förmigen Wohnblocks vor, der sich zum Park hin öffnet. Vor dem achtgeschossigen Bestandsbau ist ein öffentlicher Stadtplatz vorgesehen, der einen Zugang zum dahinter liegenden Fritz-Schloß-Park bietet. Die angrenzenden dreigeschossigen Flachbauten sollen abgerissen werden, das Hochhaus bleibt erhalten. Die Neubauten könnten „nach aktueller Terminplanung“ voraussichtlich im Jahr 2023 bezogen werden.

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