Namen & Neues

Putzgipfel im Rathaus Tiergarten

Veröffentlicht am 08.05.2019 von Laura Hofmann

Verstaubte Regale, verdreckte Toiletten, Schmutzstreifen in Fluren, an Türen und auf Fensterbänken, schmierige Spielecken, überquellende Mülleimer, dürftig gesaugte Teppiche: Viele Schulen im Bezirk sind trotz täglicher Reinigung dreckig, die Beschwerden deswegen nehmen zu. Im vergangenen Jahr hat das Schulamt den Vertrag mit einer Putzfirma, die in 16 Schulen in Moabit und Mitte nicht gut gearbeitet hat, aufgehoben. In Neukölln wollen Bürger nun erreichen, dass die Reinigung von Schulen rekommunalisiert wird. Diese Woche starten sie ihr Bürgerbegehren.

Mittes Schulstadtrat Casten Spallek (CDU) sieht die Rekommunalisierung der Schulreinigung kritisch: „Unterm Strich gehen wir davon aus, dass es deutlich teurer werden würde“, sagt er. Da die Bezirke eine feste Summe vom Senat bekommen, „bräuchte es ein deutliches Bekenntnis der Landesregierung, mehr Geld für die Reinigung der Schulen auszugeben“. Allerdings bezweifelt Spallek auch, dass eine Rekommunalisierung wirklich das gewünschte Ergebnis bringt, und verweist beispielsweise auf die hohe Krankenquote im öffentlichen Dienst.

Andere Bezirke gehen andere Wege: In Treptow-Köpenick und Marzahn-Hellersdorf gibt es seit 2018 das Modell der sogenannten „Tagesreinigung“, was bedeutet: Putztrupps sind nicht nur jeweils früh oder spät aktiv, sondern zusätzlich tagsüber, etwa um die Mittagszeit. In diese Richtung denkt jetzt auch Mittes Bürgermeister Stephan von Dassel (Grüne). Er lädt alle Bezirksämter, die Gebäudereiniger-Innung und die IG BAU zum Fachdialog „Reinigungsleistung verbessern – Gute Arbeit in der Gebäudereinigung stärken – Welche Chancen bietet die Beauftragung der Tagesreinigung?“ am 15. Mai ins Rathaus Tiergarten ein.

Der Hintergrund: Viele Reinigungsfirmen beklagen, dass sie ihren Beschäftigten kein größeres Arbeitszeitvolumen als Teilzeit oder Minijobs anbieten können, weil die Reinigung nur in den Randzeiten erfolgen kann. Andere Arbeitszeiten ermöglichten bessere Beschäftigungsbedingungen, der Beruf würde attraktiver und es ließen sich mehr Menschen für eine Ausbildung zur Reinigungsfachkraft gewinnen. Dann würde auch die Qualität der Reinigung zunehmen, so zumindest die Hoffnung. – Laura Hofmann
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