Namen & Neues

Mit Baby in der BVV

Veröffentlicht am 11.09.2019 von Julia Weiss

In der einen Hand hält Jenna Behrends den Schnuller ihres kleinen Sohnes in der anderen die Abstimmungskarte. Das zwei Monate alte Baby liegt auf einem Deckchen neben dem Ordner mit dem Entwurf für den Haushalt. Die Abstimmung darüber wollte die junge CDU-Verordnete nicht verpassen, also ist die 29-Jährige zwei Monate nach der Geburt zurück in der BVV – mit ihrem Baby.

„Ich finde es wichtig, dass junge Eltern weiterhin politisch tätig sein können“, sagt sie später im Gespräch mit dem Tagesspiegel. „Und gerade bei so einer wichtigen Sitzung wie vergangene Woche, in der der Haushalt verabschiedet wurde, wollte ich dabei sein.“

Jenna Behrends setzt sich für eine bessere Familienpolitik in Deutschland ein. Im Januar dieses Jahres erschien ihr Buch „Rabenvater Staat“. Darin kritisiert sie, dass die deutsche Familienpolitik rückwärtsgewandt ist, die Vielfalt familiärer Lebensformen nicht anerkennt und das System berufstätige Mütter benachteiligt – wie bei der Rente oder beim Ehegatten-Splitting. Die familienpolitische Unterstützung sei dann am größten, wenn die Eltern zusammenleben und nur ein Elternteil arbeitet.

In Mitte sieht sie vor allem bei der Kinderbetreuung Defizite. „Alle Eltern, die ich kenne, stehen auf 20 Wartelisten für einen Kitaplatz“, sagt Behrends. Sie fordert ein zentrales System, in dem alle freien Plätze erfasst und vergeben werden. Im neuen Haushalt sind nun immerhin Mittel für eine Stelle vorgesehen, die Kitaplätze besser und schneller verteilen soll. Für Behrends ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Ihren kleinen Sohn scheint die Haushaltsdebatte allerdings weniger zu interessieren. Während seine Mutter durch die Unterlagen blättert, schläft er auf ihren Beinen ein. Später meldet er sich dann aber doch mal zu Wort: Während eines Redebeitrags der AfD fängt er an zu quengeln. Die Fraktion erklärt gerade, wieso sie die Wirtschaftsförderung im Bezirk stärken und dafür Mittel für Obdachlose aus dem europäischen Ausland kürzen will. Das finden dann alle sehr lustig – außer der AfD, die den Antrag am Ende sowieso zurückzieht.

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