Namen & Neues

Asbest im Brunnenviertel

Veröffentlicht am 09.10.2019 von Laura Hofmann

In Berlin gibt es schätzungsweise noch immer 100.000 Wohnungen, die mit Asbest belastet sind. Und das, obwohl Herstellung und Verwendung des krebserregenden Stoffes in Deutschland schon seit 24 Jahren verboten sind. Asbest findet sich zum Beispiel in Fassadenplatten, in Abwasserrohren und besonders oft in Fußbodenbelägen. So wohl auch in den Wohnanlagen Wolliner Straße 27-33, Graunstraße 1-2 und Graunstraße 7-8 im Brunnenviertel. Die Wohnungen wurden Ende der 70er Jahre von der Degewo gebaut und befinden sich noch immer im Besitz der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft.

Der Grünen-Abgeordnete Andreas Otto wollte es nun genauer wissen und hat eine parlamentarische Anfrage zu den Wohnungen gestellt. Doch die Frage, in wie vielen von ihnen Asbest verbaut wurde, kann die Degewo nicht beantworten. Die Erklärung: Es gebe keine Dokumentation des Baugeschehens. Außerdem: „Beprobungen von bewohnten Wohnungen werden lediglich auf Wunsch der Mieter oder im Rahmen von Instandsetzungsmaßnahmen durchgeführt.“ Das findet Otto „unerhört“. Denn: „Das komplette Risiko wird hier dem Mieter übertragen“.

Erst seit Anfang 2013 baut die Wohnungsbaugesellschaft bei einem Mieterwechsel in den Wohnungen grundsätzlich vorhandene asbesthaltige Beläge aus, und entfernt asbesthaltigen Kleber unter dem Belag. 18 Jahre nach dem Asbest-Verbot.

Otto fordert: Die Degewo müsste alle rund 150 Mietparteien darüber informieren, dass ihre Wohnungen mit hoher Wahrscheinlichkeit mit Asbest belastet sind, wenn sie vor 2013 eingezogen sind. „Außerdem müssten sie alle Wohnungen untersuchen und einen Sanierungsfahrplan erstellen“, sagt Otto. Eine erste Information der Mieter erfolgte laut degewo 2012 durch eine Broschüre, 2013 wurden alle Mieterinnen und Mieter dann persönlich angeschrieben. Doch dann kam nichts mehr.

Und welche Menge asbesthaltiger Abfälle kommt bei einer Sanierung zusammen? Degewo: „Im Durchschnitt werden pro Wohnung ca. 500 Kilogramm asbesthaltige Abfälle verzeichnet.“

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