Namen & Neues

Kein warmes Wasser, keine Heizung

Veröffentlicht am 09.10.2019 von Laura Hofmann

In diesen Tagen fangen die meisten Berlinerinnen und Berliner wieder an zu heizen, die kalte Jahreszeit hat begonnen, es ist regnerisch, es zieht, die Wohnung wird zum gemütlichen Rückzugsort. Die Bewohner des „Campus Viva“ in der Jülicher Straße, am Bahnhof Gesundbrunnen, müssen in ihren Neubauapartments allerdings frieren. Oder übertriebene Hitze aushalten.

Schon seit Anfang August gibt es nur selten warmes Wasser, nun funktioniert bei einigen Mietern die Heizung ebenfalls nicht. „Ich halte es nicht mehr aus“, sagt Ying Ma, die in einer der Wohnungen lebt. In anderen Apartments hingegen läuft die Heizung seit zwei Monaten auf Höchsttouren und lässt sich nicht ausschalten. Wie die junge Frau aus China kommen viele der Bewohner aus dem Ausland und sind zum Studieren nach Berlin gekommen.

Für sie ist es praktisch, möbliert zu wohnen und ohne Schufa-Auskunft oder Mietschuldenfreiheitsbescheinigung eine Wohnung in Berlin zu bekommen. Dafür sind sie auch bereit, notgedrungen, insgesamt 600 Euro für ein 20-Quadratmeter-Apartment zu zahlen. Dazu gibt es ein kleines Fitnessstudio, eine Dachterrasse, einen Concierge und Gemeinschaftsflächen.

Doch auf Beschwerden zu Warmwasser und Heizung reagiere die Hausverwaltung nicht, erzählen die Mieterinnen und Mieter. Das ist kein Einzelfall. Im Januar berichtete der „Berliner Kurier“ über Heizungen, die maximal lauwarm werden, den Ausfall der Warmwasserversorgung, erkennbar undichte Fenster und über nicht funktionierendes WLAN – im Campus-Viva-Bau in der Koloniestraße 11, ebenfalls in Gesundbrunnen.

Auf Nachfrage verweist Campus Viva an die Hausverwaltung ProImmobilia aus Göttingen, die für Technik und Mieterbetreuung zuständig sei, versehen mit dem Hinweis: „Über die derzeit in Teilen vorhandenen Probleme innerhalb der Haustechnik“ seien sie als Betreiber „sicherlich nicht glücklich“. ProImmobilia meldet sich zügig zurück. Geschäftsführer Christian Rathei erklärt die Probleme damit, dass der Schornstein implodiert sei. Die nötigen Ersatzteile für eine Reparatur hätten extra bestellt werden müssen, außerdem haben die Handwerksbetriebe eben lange Vorlaufzeiten. Und dann habe es auch noch Probleme bei der Endmontage gegeben.

„Hier wurde unverzüglich gehandelt“, betont Rathei. Auch den Vorwurf, die Mieterinnen und Mieter nicht ausreichend informiert zu haben, weist er von sich. Es habe schließlich einen Aushang gegeben. Der kam allerdings – so die Aussage der Mieter – erst, als sie schon einen Monat kaum warmes Wasser hatten. Rathei kündigte jetzt mir gegenüber an: „Spätestens am Donnerstag sollte es wieder optimal laufen.“ Für die Bewohner wäre das eine riesige Erleichterung. Momentan organisieren sie sich über eine Whatsapp-Gruppe, informieren sich gegenseitig, wenn das warme Wasser doch kurzzeitig funktioniert, und geben sich Tipps, in welchen Fitnessstudios man ein kostenloses Probetraining absolvieren kann – und dann auch dort duschen.

Wer sich im Internet über Campus Viva informieren will, stößt einerseits auf den Seiten der Immobilienfirma selbst auf viel Eigenlob („Campus Viva Berlin II (…) bietet mit seinen zahlreichen Gemeinschaftseinrichtungen, der Komplettausstattung und der designorientierten Architektur alle Vorzüge der Marke Campus Viva“), andererseits auf desaströse Google-Bewertungen. „Wir haben kein warmes Wasser seit fast 2 Monaten, die Heizung funktioniert auch nicht und das im Winter… niemand kümmert sich um das Problem. Das Internet ist grauenhaft. Auf E-mails antwortet keiner. Schade, dass man nicht 0 Sterne vergeben kann. Hier herrschen wirklich menschenunwürdige Umstände“, heißt es in einem Beitrag von Februar.

„Das Unternehmen bereichert sich durch die Umgehung der Mietpreisbremse an den eigenen Mieter*innen und hält sich dann noch nicht einmal an die Versprechungen, die sie auf ihren Hochglanz- Website propagieren“, ärgert sich Katharina Mayer, die für die Linke in der Bezirksverordnetenversammlung Mitte sitzt.

Campus Viva ist eine Münchner Immobilienfirma, in Berlin hat sie zwei Standorte, sie ist außerdem in München, Heidelberg und Bremen mit Studentenwohnungen vertreten. Dahinter steht das Unternehmen Grundkontor Projekt, das ebenfalls in München angesiedelt ist. Mit möblierten Wohnungen sind sie, wie auch andere Anbieter, nicht an die Mietpreisbremse gebunden.

So zum Beispiel auch das Studio B2, das für viel Geld möblierte Studentenwohnungen anbietet, und dort steht, wo einst der Techno-Club Stattbad Wedding war: in der Gerichtstraße am S-Bahnhof Wedding. Auf Immoscout wirbt B2 so für sich: „Studentenwohnen mit Mehrfachnutzen: Es stellt dringend gesuchte Wohnungen für Berlin bereit. Und es bietet eine Anlageform mit erfreulicher Renditeaussicht.“ Ein 1-Zimmer-Apartment mit 23 Quadratmetern kostet hier 561 Euro warm.

Ach, noch was zu Campus Viva: Im Dezember stoppte das Bezirksamt Mitte den Abriss von Ateliers in der Koloniestraße 10, also auf dem Nebengrundstück eines der Campus-Viva-Gebäude. Das Unternehmen will sich dort vergrößern, geplant sind ein Hostel und weitere Studentenapartments. Doch für den Abriss der Werkstätten und Künstlerateliers lag keine Genehmigung vor. Die wäre aber notwendig gewesen, weil sich die Fläche seit Kurzem im Milieuschutzgebiet befindet.

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Diesen Text haben wir dem neuen Tagesspiegel-Newsletter für Mitte entnommen. Hier kostenlos abonnieren: leute.tagesspiegel.de

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