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Kosten für Brücke in der Europacity vervielfacht
Veröffentlicht am 23.10.2019 von Laura Hofmann

Kosten für Brücke in der Europacity in Berlin-Mitte vervielfacht. Der Golda-Meir-Steg soll das neue Prestigeviertel Europacity über den Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal mit dem Ortsteil Mitte verbinden. Ursprünglich, im Jahr 2014, hatte der Senat für den Bau der Fuß-und Radwegbrücke 1,8 Millionen Euro veranschlagt. Vor zwei Jahren wurde bekannt, dass sich die Stahlkonstruktion der 77 Meter langen Brücke wegen ihres besonderen Designs verteuern würde: auf 2,8 Millionen Euro. Es folgten erfolglose Ausschreibungen.
Hier ein erster Entwurf, wie sich die Stadtplaner das alles vorstellen.

Nun ist ein Auftragnehmer gefunden: Der Zuschlag geht an eine Firma aus Jena – für 7,5 Millionen Euro. Die Kostenexplosion erklärt die Verkehrsverwaltung mit zusätzlichen Leistungen (der Gründung für die Freitreppe und der seitlichen Treppenanlagen zur Freianlage), der angespannten Marktlage im Baubereich und der außergewöhnlichen Brückenkonstruktion. Insbesondere im Brückenbau mit Stahlüberbauten seien die Stahlbauunternehmen weitestgehend ausgebucht.
Noch ist die Europacity verkehrstechnisch abgehängt. Bis die neue Brücke steht, dauert es noch anderthalb Jahre. Die Verkehrsverwaltung rechnet mit einem Baubeginn im vierten Quartal 2019, die Fertigstellung soll im März 2021 erfolgen. Der Steg ist aber die einzige kurze Verbindung des Viertels zur U-Bahn. Am neuen Stadtplatz im Herzen der Europacity, dem Otto-Weidt-Platz, werden schon Wohnungen bezogen. Doch die Bewohner sind auf einen Bus angewiesen, der nur Montag bis Samstag alle 20 Minuten durch die Heidestraße fährt. Die nächste U-Bahnstation ist derzeit der Hauptbahnhof – einen Kilometer von den neuen Wohnblöcken entfernt.
„Für die Anwohner*innen der Europacity ist es eine unglaubliche Zumutung, dass noch nicht einmal mit dem Bau der Brücke begonnen wurde“, kritisiert Felix Hemmer, FDP-Fraktionsvorsitzender in Mitte. „Sie wohnen quasi auf einer Insel mitten in der Hauptstadt. Weder gibt es den lange versprochenen Golda-Meir-Steg noch die korrespondierende Brücke nach Moabit.“
Auch der Otto-Weidt-Platz selbst ist noch nicht fertig. Dort sind Cafés und Restaurants geplant. Doch der Abschnitt des Platzes, der Richtung Golda-Meir-Steg gelegen ist, kann erst gebaut werden, wenn das Fundament der Fußgängerbrücke steht. Bis der Stadtplatz fertig ist, dauert es deshalb nach Prognosen der Verwaltung noch bis zum vierten Quartal 2021, also noch zwei Jahre. – Text: Laura Hofmann
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