Namen & Neues
Läden in der Torstraße in Not
Veröffentlicht am 13.05.2020 von Julia Weiss

Berlin-Mitte: Läden in der Torstraße in Not. Überall in Berlin kämpfen Läden gerade um ihr Überleben in der Coronakrise und auch die Geschäfte in der Torstraße leiden, weil sehr viel weniger Kunden kommen als sonst. Das berichtet der Tagesspiegel-Newsletter für Berlin-Mitte. Hört man sich unter den Betreibern um, scheint dieses Problem in Mitte noch drängender zu sein als anderswo. „Dieser Bezirk ist so durchgentrifiziert, es gibt keine wirklichen Kieze“, sagt etwa der Geschäftsführer von Chapter Mitte, einem Second-Hand-Laden in der Torstraße. Er betreibt zwei weitere Geschäfte in Berlin, in Neukölln und Prenzlauer Berg. „In Mitte läuft es am schlechtesten“, sagt er. „Wir sind hier sehr abhängig von Touristen und die fehlen.“
Auch die vielen Restaurants und Kneipen in der Torstraße ziehen die Menschen normalerweise an. Nun haben sie geschlossen. Vor der Coronakrise war immer viel los. Die anliegenden Hostels bringen den Läden ein junges, internationales Publikum. Ansgar Oberholz liebt die Straße für ihre Vielfalt und Internationaliät, wie er sagt. Er betreibt das Sankt Oberholz am Rosenthaler Platz, normalerweise hipper Treffpunkt für Kaffee und Co-Working. Nun ist das Café geschlossen. „Es ist, als hätte jemand den Stecker gezogen“, sagt er.

Wie viele andere verkauft das Sankt Oberholz nun Kaffee und Snacks zum mitnehmen. Am Rosenthaler Platz bleiben Passanten allerdings nur selten stehen, sagt Oberholz. „Die Kreuzung lädt nicht zum Verweilen ein.“ Gut laufe dagegen das Co-Working. Ansgar Oberholz vermietet an mehreren Standorten in Berlin Arbeitsplätze und Büroräume. Bisher habe er die meisten Kunden halten können. Sorgen mache er sich dagegen um die kleinen Läden in der Torstraße. „Mein Gefühl sagt mir, dass nicht alle wieder aufmachen werden.“
Der Comicladen „Grober Unfug“ ist so ein kleiner Laden. Christoph Wienke ist einer von drei Betreibern. Er wohnt gleich um die Ecke und ist in der Nähe aufgewachsen. Wenn er nun durch die Torstraße läuft, sieht er viele runter gelassene Rollläden. Ein Bekleidungsgeschäft gegenüber hat bereits aufgegeben und wird nicht wieder öffnen. Auch der Comicbuchladen ist bedroht. „Die Miete wurde in den vergangenen Jahren immer teuerer“, sagt Wienke. Er hoffe nun auf ein Entgegenkommer der Vermieter, doch die hätten sich dazu noch nicht bereit erklärt.

Auch im Comicladen fehle die Laufkundschaft. „Es gibt hier wenige Anwohner, keinen richtigen Kiez“, sagt auch Wienke. „Das macht es schwieriger.“ Die 5000-Euro-Soforthilfe für Selbstständige rette ihn über die erste Zeit, wie es dann weitergeht, wisse er noch nicht.
Der kleine Comicladen und das große Sankt Oberholz wollen sich nun zusammentun und eine Initiative für die Torstraße gründen. Wienke habe sich bereits an den Bezirk gewandt und mit der Wirtschaftsförderung gesprochen. Infos austauschen, gemeinsam Lösungen überlegen – für Ansgar Oberholz ist das ein erster wichtiger Schritt. „Die Torstraße lebt von ihrer Vielfalt, die müssen wir erhalten“, sagt er. – Text: Julia Weiß
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