Namen & Neues

Neugestaltung der Mühlendammbrücke gestoppt

Veröffentlicht am 14.10.2020 von Sophie Rosenfeld

Eigentlich soll für die Mühlendammbrücke, die zwischen Molkenmarkt und Spittelmarkt über die Spree führt, ja ein Neubau her. Schließlich stammt die Spannbetonkonstruktion aus den 60ern, und das hohe Verkehrsaufkommen hat seine Spuren hinterlassen: Täglich rollen auf den drei Fahrbahnen pro Richtung mehr als 72.000 Autos und 2000 Lkws. Die Überführung muss dringend saniert werden. Doch noch ist nichts passiert. Ende September berichtete meine Kollegin Julia Weiss bereits von der Forderung des von Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD), einen schmaleren Neubau für die Brücke zu errichten, nachdem sich der Senat für ein vierspuriges Bauwerk ausgesprochen hatte.

Gothe will nur eine Autospur pro Richtung, damit hier in zehn Jahren nur noch 35.000 Autos fahren – also weniger als die Hälfte. Das Ziel, den Kfz-Verkehr in Mitte auf ein stadtverträgliches Maß zu reduzieren wurde bereits 2003 im ersten Stadtentwicklungsplan Verkehr formuliert und in dessen Fortsetzung 2011 aufgegriffen.

Nach Angaben von Mittes SPD ist das Verfahren für die Realisierung der Brücke nun gestoppt.  Der Wettbewerb, der die Weiterführung der autogerechten Innenstadt zum Ziel hat und ursprünglich bereits Anfang des Jahres starten sollte, wurde nach Protesten aus dem Bezirk noch einmal nachgebessert. Im neusten Entwurf hat die Senatsverwaltung zumindest die Breite der Brücke von ursprünglich 42 Metern auf 39,60 reduziert. Baustadtrat Gothe hält die Planung immer noch für überdimensional. Die Grünen im Bezirk wollen hingegen zwei Kfz-Spuren pro Richtung, dazu Radweg, Gehweg und eine neue Tramverbindung. In Zahlen bedeutet das: 2030 noch 63.000 Fahrzeuge pro Tag.

Anfang Oktober twitterte die SPD, dass der Planungswettbewerb gestoppt sei, „Wir sind erleichtert, dass nun öffentlich diskutiert wird“. In einer Online-Bürgerveranstaltung werden nun erstmals Bürger*innen an dem Vorhaben beteiligt. Die Senatsverwaltung für Verkehr  reagiert damit auf „Kritik und Anregungen aus der Zivilgesellschaft“. Themen wie Bevölkerungsentwicklung, Verkehrsprognose und die Einbindung des öffentlichen Personennahverkehrs sollen diskutiert werden. Geplant ist die Veranstaltung noch für dieses Jahr. Alle Details zum genauen Termin, zu Diskussionsmöglichkeiten, digitalem Format und Teilnehmenden werden noch abgestimmt. Der Realisierungswettbewerb für die Brücke soll dann nach der genannten Bürgerveranstaltung starten. – Text: Sophie Rosenfeld / Foto: Jörg Carstensen/dpa

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