Namen & Neues

14 Wochen Wartezeit für den WBS

Veröffentlicht am 09.06.2021 von Julia Weiss

Wer eine Sozialwohnung in Berlin beziehen will, muss einen Wohnberechtigungsschein vorweisen können. Darin bescheinigt das Bezirksamt, dass Mieter:innen über ein geringes Einkommen verfügen und somit berechtigt sind, in eine mit öffentlichen Mitteln geförderte Wohnung einzuziehen. Derzeit müssen Antragsteller:innen allerdings 14 Wochen auf den WBS-Schein warten, teilt das Bezirksamt Mitte auf Nachfrage mit.

Für ärmere Menschen ist das eine weitere Hürde bei der Wohnungssuche. „Beim derzeitigen Wohnungsmarkt ist das eine Katastrophe für viele Leute“, schreibt ein Tagesspiegel-Leser. Als Grund habe ihm das Bezirksamt mitgeteilt, dass derzeit besonders viele Anträge eingehen.

Das bestätigt das Bezirksamt auf Nachfrage. Im Jahr 2019 seien in Mitte 7176 Anträge eingegangen. Allein in den ersten vier Monaten dieses Jahres waren es schon 3045. „Die starke Zunahme der Anträge auf WBS kann als Zeichen für die steigende Mietbelastung verstanden werden“, sagt Ramona Reiser (Linke), Stadträtin für Jugend, Familie und Bürgerdienste.

Das ist allerdings nicht die einzige Erklärung. Zu Beginn der Pandemie lag die Bearbeitungszeit noch bei drei Wochen. „Zum Mai 2020 schnellte sie dann hoch auf zehn Wochen, im August 2020 fiel sie auf acht Wochen und erreichte ihren Höchststand im Januar 2021 mit 15 Wochen“, teilt das Bezirksamt mit. Da viele Beschäftigte im Wohnungsamt einer Corona-Risikogruppe angehören, seien diese ausgefallen. Und wie schon berichtet, fehlten der Berliner Verwaltung Laptops für das Homeoffice.

Das Bezirksamt verspricht Besserung. „Mit Zunahme der Covid19-Impfungen und dem Ermöglichen von Homeoffice konnte der langen Bearbeitungszeit bereits etwas entgegengesteuert werden.“ Stadträtin Reiser fordert eine langfristige Strategie. „Diesem berlinweiten Phänomen muss auf lange Sicht politisch mit einer Begrenzung der Mietsteigerungen sowie einer Stärkung der Wohnungsämter begegnet werden.“