Kiezgespräch

Veröffentlicht am 01.08.2018 von Laura Hofmann

„Der Sprengelkiez erinnert mich an Kreuzberg vor zehn Jahren“, sagt Richard Schmitz, Vorstandsmitglied der Genossenschaft am Ostseeplatz. Hier, auf einem ehemals zur Gewerbenutzung vorgesehenen Randgrundstück in der Lynarstraße 38, direkt an den Bahngleisen, entsteht seit vergangenem Sommer ein deutschlandweit einzigartiges Projekt der Genossenschaft: drei Gebäude in Holzbauweise, die 98 Wohneinheiten mit Gemeinschaftsküchen und -wohnfluren sowie eine mehrsprachige Kita mit den Schwerpunkten Türkisch und Arabisch, ein Obdachlosencafé, und Einzelhandel vereinen. Hier sollen Geflüchtete mit Studenten und anderen Berlinern zusammenleben, auch eine Demenz-WG wird es geben. Ab November werden die ersten Bewohner, die sich vorher über ein Verfahren als Gruppe zusammengefunden haben, einziehen. Am Mittwochmorgen hat Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, die selbst um die Ecke wohnt, die Baustelle besucht. Auch die Bezirksverordneten Molina Gosch und Taylan Kurt (ebenfalls Grüne) waren dabei, Baustellenleiter Felix Hiller erklärte, dass es sich bei dem Projekt um das größte Haus in Holzbauweise handelt, das es derzeit in Deutschland gibt.

„Das Projekt zeigt, wie gut gemeinschaftlicher, bezahlbarer und ökologischer Wohnungsbau funktionieren kann“, sagte Göring-Eckardt. „Die späteren Bewohnerinnen und Bewohner werden frühzeitig einbezogen und jetzt können hier Menschen mit Wohnberechtigungsschein zu günstigen Preisen mit vielen anderen zusammen wohnen.“ Beeindruckt habe sie auch die Holzbauweise mit dem angenehmen Klima und der kurzen Bauzeit. „Von solchen Projekt braucht es mehr.“ Im Vergleich zu konventionellen Häusern fällt der ökologische Fußabdruck eines Holzhauses bedeutend geringer aus. Die Hälfte der Einheiten werden vom Land Berlin gefördert, so werden Mieten von 6,50 bis 8,50 Euro pro Quadratmeter möglich. Anders als früher werden Holzbauteile heute weitestgehend vorgefertigt. Das hat den Vorteil, dass das Bauen vor Ort sehr schnell geht. In einer Woche bauen vier Arbeiter ein Geschoss, sagte Hiller. Die Resonanz ist sehr groß, vor vier Monaten wurde die Bewerbung um einen Wohnplatz geschlossen, nun kann man sich nur noch auf der Warteliste eintragen lassen. Doch die Genossenschaft am Ostseeplatz will weiter bauen: In den nächsten fünf Jahren sollen zwei weitere Projekte in Berlin entstehen. Wo genau steht allerdings noch nicht fest.

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