Kiezgespräch

Veröffentlicht am 05.12.2018 von Laura Hofmann

Bereits vor einigen Wochen habe ich über den Konflikt zwischen Bezirk und Humboldt-Universität über die Zukunft des Monbijoutheaters berichtet. Das freie Theater, an dem einige Bezirksverordnete auch Kritik üben, hat aber noch ein weiteres Problem: In diesem Jahr sind die ersten Bewohner ins „Forum Museumsinsel“ des bayerischen Investors Ernst Freiberger gezogen, eins der luxuriösesten Immobilienprojekte der Stadt.

Und die stören sich am Lärm, den Theater-, Gastro- und Barbetrieb auch nach 22 Uhr noch erzeugen. Theaterchef Christian Schulz sagt, es sei zwar möglich, das Theater vor 22 Uhr zu beenden, indem man den Vorstellungsbeginn auf 18.30 Uhr vorverlegt. „Das Finanzierungsmodell ist aber darauf ausgerichtet, Einnahmen nach dem Theater, also nach 22 Uhr zu erzielen.“ Genau an dieser Querfinanzierung stören sich allerdings, wie berichtet, einige Bezirkspolitiker.

Schulz sagt, er sei bereit, über die Rahmenbedingungen seines Theaters zu verhandeln. „Mir ist klar, dass ich mitten im Park bin und dass darüber diskutiert werden kann“, sagt er. Berlin und der Bezirk müssten ihm sagen, was sie von ihm erwarten und wie es weitergehen solle. Er selbst hat große Pläne: Ihm schwebt ein wandelbarer Holzbau vor, der im Sommer als Open-Air-Arena 400 Zuschauern, im Winter mit Überdachung 200 Besuchern Platz bieten könnte. Gastronomie, Bar, Garderoben und Bühnenwerkstätten wären ebenfalls darin unterzubringen. Die öffentliche Park-Toilette würde in den unterirdischen Luftschutzbunker verlegt, den die Charité im Zweiten Weltkrieg als Krankenstation nutzte. Das würde vielleicht auch das Hygiene-Problem lösen, das Besucher und auch Mitarbeiter immer wieder beklagten.

Stadtrat Gothe ist zuversichtlich, dass die Pläne realisierbar sind. „Die Humboldt-Uni kann sich dort zwar etwas anderes wünschen, die Planungshoheit bleibt aber beim Bezirk“, sagt er. An einem entsprechenden Bebauungsplan, der eine genau definierte Kulturnutzung im Park zulässt, „arbeiten wir ohne Hektik“.

Um das Problem mit den lautstärkeempfindlichen Nachbarn zu lösen, hat Schulz Ende November die „James Simon Bar“ im gleichnamigen Park eröffnet. Etwa 250 Meter vom Theater entfernt, vis-à-vis der Alten Nationalgalerie, soll die Party nach den Vorstellungen jetzt weitergehen. tagesspiegel.de