Kiezgespräch

Veröffentlicht am 04.09.2019 von Laura Hofmann

Vor wenigen Wochen hörte ich, dass die Samwer-Brüder einer ersten Ärztin im Haus der Gesundheit am Alexanderplatz gekündigt haben. Nun bestätigt die „Berliner Zeitung“, dass die Zukunft des Gesundheitszentrums unsicher ist. Damit verstößt der Investor, hinter dem die Brüder Samwer stehen, gegen die Vereinbarung mit der vorherigen Eigentümerin, der AOK Nordost, dass 50 Prozent der Flächen mindestens für fünf Jahre weiter der ambulanten ärztlichen Versorgung zur Verfügung stehen. Die AOK hatte sich damals entschieden, das Angebot der WBM auszuschlagen. Für das Quartier, das den höchsten Altersdurchschnitt im Bezirk aufweist, erfüllt das Gesundheitszentrum eine wichtige Funktion: Es betreut mehr als 100.000 Patienten.

Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) hat von den Kündigungen aus der Presse erfahren („gewerbliche Mietverträge entziehen sich vollständig der Einflussnahme‎ durch ein Bezirksamt“) – er sei „tief enttäuscht“. Gothe sagte mir auf Anfrage: „Es ist mir unerklärlich, warum der Eigentümer das Haus nicht sensibel als Ärzte- und Gesundheitshaus weiter entwickelt, denn der Bedarf im Quartier ist mehr als gegeben.“ Und: „Es wird erneut deutlich, dass der Name Samwer nicht für soziale Stadtentwicklung steht, sondern für Turbokapitalismus‎.“

Gothe verweist auf die unterdurchschnittliche Versorgung des Gebietes mit Arztpraxen, auf die er die zuständige kassenärztliche Vereinigung (KV) hingewiesen‎ habe. Das Problem ist, dass die KV ihre Einschätzung der ärztliche Versorgung aber nicht auf einzelne Quartiere bezieht, sondern auf den Bezirk insgesamt. Um den Bedarf der Quartiere zu ermitteln, beteiligt sich Mitte an einer Erhebung, die die Beuth-Hochschule erarbeiten will. Der Grünen-Verordnete Taylan Kurt sagt: „Mit der Daseinsvorsorge spekuliert man nicht!“ Er regt einen Rückkauf des Hauses durch den Senat an. Auch die Linksfraktion in der Bezirksverordnetenversammlung reagiert entsetzt: „Hier werden Profite vor Menschenleben gesetzt.“

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