Nachbarschaft

Veröffentlicht am 11.07.2018 von Laura Hofmann

Tomas Ullmann verkauft Footbikes in Moabit.

Herr Ullmann, was ist ein Footbike? Footbikes nennt man Tretroller für Erwachsene. Minimalistische Fahrzeuge, die zwar dank großer, luftbereifter Laufräder und professioneller Felgenbremsen an Fahrräder erinnern, aber ohne Pedale, Gangschaltung und Sattel auskommen. Daher sind sie auch leicht und wenig reparaturanfällig.

Wie kamen Sie auf die Idee, einen Showroom in Moabit zu eröffnen? Ich bin als gebürtiger Prager oft in unserem Nachbarland unterwegs, wo sich das Tretrollerfahren zum Volkssport entwickelt hat. Ausschlaggebend war mein Aufenthalt in Pilsen zur Zeit der Europäischen Kulturhauptstadt. Dort habe ich erfahren, wie großartig sich eine Stadt mit dem Footbike erkunden lässt. Pilsen verfügt übrigens inzwischen über das weltweit erste stationäre Footbike-Verleih-System. In Moabit habe ich mich in der „raumstation“ niedergelassen. Das ist ein Co-Working-Space voller junger Menschen, die viel und oft das Fahrrad nutzen. Nach und nach wecken meine Fahrzeuge aber auch ihr Interesse.

Sollen die Tretroller die Fahrräder ersetzen? Welche für Vor-und Nachteile hat das Rollern im Vergleich zum Fahrradfahren? Obwohl viele Kunden zu mir kommen, die aus verschiedensten Gründen nicht mehr Fahrrad fahren können oder wollen, also sich zum Beispiel nach einem schweren Unfall nicht mehr auf das Rad trauen oder sich wegen ihres Alters auf dem Rad unsicher fühlen, sehe ich den Tretroller nicht als einen Ersatz, sondern vielmehr als eine weitere Möglichkeit, sich fortzubewegen und fit zu halten. Ich selbst bin eigentlich auch Radfahrer. Nur tut mir das nach einem langen Tag am Bürotisch nicht immer gut. Wieder sitze ich gebückt, den Unterrücken eingeklemmt, die Schultern verkrampft. Dagegen dehne ich auf dem Footbike meinen gesamten Körper, stärke Schulter und Unterrücken und fühle mich dabei ein wenig in meine Kindheit zurückversetzt. Die Bewegung ist eigentlich dem Gehen verwandt, nur kommt man mit jedem Abstoß wie mit Siebenmeilenstiefeln voran. Gleichzeitig ist der Übergang zwischen Gehen und Rollen fließend, also ideal zum Flanieren.

Der Nachteil des Tretrollerfahrens? Man kommt schon mal ins Schwitzen. Aber ist das für die meisten von uns nicht eher von Vorteil?

Mehr Infos: flow-footbike.de

Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute@tagesspiegel.de

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