Nachbarschaft

Veröffentlicht am 07.11.2018 von Laura Hofmann

Michael Mikoleyczak, 44, Inhaber eines der letzten Heimwerkergeschäfte in Moabit.

Seit 50 Jahren werden im „Heimwerk“, Alt-Moabit 104, bereits Schrauben verkauft, Farben gemischt und Holzarbeiten gefertigt. Seit 20 Jahren betreibt Mikoleyczak den Laden. Nun steht er vor dem Aus. Im Juni wurde ihm gekündigt, ohne Begründung, bis Ende des Jahres muss er raus. Ohne, dass er Mietschulden oder je Probleme mit der Hausverwaltung gehabt hätte. „Da ich bis heute keine passende Ladenfläche gefunden habe, steigt meine Existenznot mehr und mehr“, sagt Mikoleyczak.

2015 wurde das Haus von Longan Properties S.a.r.L gekauft. Sucht man im Netz nach der Firma, findet man lediglich zwei postalische Adressen in Luxemburg-Stadt. Verwaltet wird das Haus seit 2017 von der Hausverwaltung Klingsöhr, die im Namen des Eigentümers auch die Kündigung ausgesprochen hat. Auf meine Anfrage kam bisher keine Antwort. Interessant: Bei einem ähnlichen Fall in Friedrichshain treten Longan Properties und Klingsöhr auch gemeinsam auf. Wie meine Kollegin Nele Jensch im Friedrichshain-Kreuzberg-Newsletter berichtet hat, wurde Carmen Lessoued-Metzdorf, die den Blumenladen „Pusteblume“ in der Samariterstraße 9 betreibt, ebenfalls kürzlich gekündigt, auch durch die Hausverwaltung Klingsöhr. Das erwies sich als rechtlich nicht zulässig, weil die Verwaltung dafür gar keine Vollmacht hatte. Auf Tagesspiegel-Anfrage hieß es dann plötzlich, der Eigentümer sei daran interessiert, einen neuen Mietvertrag mit Lessoued-Metzdorf auszuhandeln. Inzwischen wurde der Mietvertrag um drei Jahre verlängert, bei einer Mietsteigerung von 15 Prozent.

Deswegen hat auch Mikoleyzcak Hoffnung geschöpft. Er hat zwei Angestellte, ist im Kiez verwurzelt, hat viele Stammkunden, deren Kinder er aufwachsen sah. Seiner Bitte nach Aufschub hat Klingsöhr jedoch nicht nachgegeben. Mikoleyzcak glaubt, dass sein Laden leergezogen werden soll, weil er sich so für mehr Geld verkaufen lässt. Alle Wohn- und Gewerbeeinheiten des Hauses seien nach dem Kauf durch Longan Properties gesplittet und zum Kauf angeboten worden. „Hier zählt offensichtlich die reine Profitgier“, sagt er traurig. „Somit geht ein Stück Berliner Geschichte zu Grunde, wie in so vielen anderen Städten auch.“

Foto: Laura Hofmann

Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute@tagesspiegel.de

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