Nachbarschaft

Veröffentlicht am 15.05.2019 von Laura Hofmann

Elke Schilling, 74, ist Initiatorin von „Silbernetz“, der Hotline gegen Einsamkeit für Senioren mit Sitz in Wedding.

Frau Schilling, Ende März wurde das 3000. Gespräch über die Silbernetz-Hotline geführt. Als ich Sie das erste Mal hier vorgestellt habe, im Dezember 2017, standen Sie gerade vor Ihrer Pilotwoche. Wie sind Sie hierhin gekommen? Mit sehr viel Arbeit und der Überzeugung, dass Silbernetz gebraucht wird. Das Projekt zieht in hohem Maß Mitarbeit und Unterstützung an, durch die ein Beitrag geleistet werden kann, dass sich das Projekt gut entwickelt. Das überwältigende Echo auf unser Feiertagstelefon 2017/18, bei dem wir über acht Tage ehrenamtlich und ununterbrochen am Telefon saßen und in vielen Gesprächen die kleinen und großen Sorgen mit unseren Anrufer_innen teilten, führte zur weiteren Förderung. Acht Monate lang konnten wir mit Hilfe der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung und vieler anderer Unterstützer_innen notwendige weitere Schritte realisieren.

So wurde am 24. September 2018 endlich unser Silbertelefon in Betrieb genommen für zunächst 12 Stunden täglich rund um die Woche. Das Jobcenter Lichtenberg hat ein besonders engagiertes Team von Arbeitsvermittler_innen, das gemeinsam mit uns als Chancengeber für Menschen arbeitet, die aus unterschiedlichen Gründen in der freien Wirtschaft kaum vermittelbar sind. So können wir für die Tätigkeit am Silbertelefon engagierte Mitarbeiter_innen einstellen, die wir für das „einfachmalreden“ (unser Motto) mit älteren Menschen qualifizieren und die Sinn und Bestätigung in dieser nicht immer einfachen Aufgabe finden.

Welche Erkenntnis, die Sie in dieser Zeit gewonnen haben, hat Sie besonders überrascht? Es brauchte die Gründung eines Einsamkeitsministeriums in England, damit das Thema Einsamkeit hierzulande endlich auch außerhalb der Weihnachtsfeiertage öffentliche Bedeutung gewinnen konnte.

Was sind die nächsten Ziele für Silbernetz und wo gibt es noch Hindernisse zu überwinden? Zum ersten Jahrestag der Freischaltung des Silbertelefons wollen wir endlich und auf Dauer 24/7 für unsere Anrufer_innen – ältere Menschen in Berlin mit Einsamkeitsgefühlen – erreichbar sein. Eine Herausforderung sind unsere rapide wachsenden Kosten für die Telefonie. Dafür brauchen wir dringend weitere Spenden. Herzlichen Dank auch an alle die Spenderinnen und Spender, die uns schon jetzt unterstützen! Darüber hinaus werden wir uns sicher noch etlichen unvermuteten Herausforderungen stellen müssen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass Silbernetz auch weiterhin Mitarbeit und Unterstützung finden wird, die die gute Entwicklung auch in der Zukunft sichern.

Foto: Gordon Welters

Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute@tagesspiegel.de

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