Nachbarschaft
Veröffentlicht am 22.05.2019 von Laura Hofmann
Frank Bertermann, Grünen-Politiker und neuer Vorsteher der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Mitte
Herr Bertermann, Sie sind schon seit den 90er Jahren Bezirksverordneter. Wie fühlt es sich an, jetzt neuer Vorsteher zu sein? Ich habe meine Karriere in der BVV Mitte 1994 als Bürgerdeputierter im Stadtentwicklungsausschuss gestartet und bin, mit einer kleinen Unterbrechung während der Bezirksfusionszeit 2001, seit 1995 Bezirksverordneter in Mitte. Damit dürfte ich vermutlich in der BVV Mitte inzwischen Alterspräsident sein. Mit dem Amt als Vorsteher hab ich nun wohl das Ende der „Karriereleiter“ in der BVV erreicht.
Wie verstehen Sie diesen Job und was wollen Sie anders machen als Ihr Vorgänger Sascha Schug von der SPD? Ich habe in der letzten BVV nach meiner Wahl nochmals ausdrücklich Sasche Schug für seine BVV-Vorsteherarbeit der letzten zweieinhalb Jahre gedankt. Und das war sicherlich keine Höflichkeitsfloskel, sondern mein voller Ernst. Sascha Schug hat einen tollen Job als Vorsteher gemacht. Er war in meinem Erleben immer darauf bedacht, alle Fraktionen gleichberechtigt zu behandeln und die BVV würdig zu vertreten. Und er hat ein tolles BVV-Büro aufgebaut, das am Beginn seines Amtsantrittes personell am Boden lag. Insofern gibt es eigentlich nichts, was ich zwingend anders machen würde.
Ich verstehe meine zukünftige Tätigkeit als BVV-Vorsteher – die ja kein Job, sondern eine ehrenamliche Tätigkeit mit Aufwandsentschädigung ist – als Aufgabe, die BVV nach außen zu repräsentieren und nach innen dafür die organisatorische Sorge zu tragen, dass alle Verordneten die bestmögliche Voraussetzungen für ihre Arbeit bekommen. Dazu gehört insbesondere, dass sie auf ihre Fragen an das Bezirksamt schnell Antworten bekommen und das Bezirksamt die Beschlüsse der BVV in einem überschaubaren Zeitraum bearbeitet. Das die Antwort des Bezirksamtes auf einen BVV-Beschluss schon mal fünf Jahren dauern kann, ist meiner Meinung nach indiskutabel.
Ihr politisches Thema ist die Stadtentwicklung. Wo sehen Sie da die größten Probleme im Bezirk? Werden Sie sich auch weiterhin in diesem Bereich engagieren können? Meine politische Sozialisation aus der Bürgerbewegung „Demokratie Jetzt“ der Wendezeit war die Wohnungspolitik. Als eher unpolitischer Ossi, dessen wohl einzige politische Aktion die Verweigerung des Waffendienstes in der NVA war, bin ich zum politischen Wessi geworden. Da mir meine Frau wohl nicht ganz zu Unrecht einen zum Teil ausgeprägte privaten Konservatismus nachsagt – ich verweigere noch heute konsequent Twitter und Facebook und bin der Ansicht, dass sich das mit dem Internet vermutlich nicht durchsetzen wird – will ich mich auch weiterhin im Stadtentwicklungsbereich engagieren. Die größten Probleme spüren ja immer mehr Menschen nicht nur in Mitte: Zu wenig Wohnungen für zu viel Miete und die Angst, durch Rausmodernisierungen oder Mieterhöhungen ihren Lebensmittelpunkt zu verlieren. Dagegen möchte ich mit meinen wenigen Mitteln auf Bezirksebene auch weiterhin ankämpfen.
Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute@tagesspiegel.de