Nachbarschaft

Veröffentlicht am 12.06.2019 von Melanie Berger

Die App Queen of the Neighborhood, kurz QUOTN, soll Start-Up-Gründerinnen und Unternehmerinnen helfen, sich besser zu vernetzen, ihre Geschäfte und Produkte sichtbarer machen. Frauen sind in der Szene immer noch stark unterrepräsentiert. „Eine App wie QUOTN sollte nicht existieren, aber das sollte die patriarchalische Gesellschaft, mit der wir heute leben müssen auch nicht“, heißt es von den Gründerinnen Iulia Mitzner und Rahel Wollenberger. Sie arbeiten von ihrem Büro in Mitte daran, eine Plattform für Frauen in der Gründer- und Unternehmerszene zu erschaffen. Die Launchaparty der App wird im Wedding sein. Ein Gespräch mit Iulia Mitzner.

Die App soll Unternehmerinnen eine Plattform bieten. Warum ist das notwendig?
In Berlin wird alle 20 Stunden ein Start-up gegründet. Aber nur rund 15 Prozent dieser Start-ups von Frauen. Das heißt nur alle 3 Wochen. Hier geht unglaublich viel Potenzial verloren. Zum Gründen braucht man aber Vorbilder – die wollen wir liefern. Und die Start-up-Branche gibt sich generell fortschrittlich, betrachtet man jedoch die Statistiken bezüglich Sexismus, ­in Form des Gender Pay Gap, sexueller Belästigung und so weiter, bietet sich ein anderes Bild.

Die App heißt „Queen of the Neighborhood“ – warum?
Der Name „Queen of the Neighborhood” stammt aus dem Lied „Rebel Girl” von Bikini Kill, einer feministischen Hymne der Riot Grrrl Bewegung aus den 90er Jahren. Ich fand den Namen so toll, weil er auf so vielen Ebenen passend ist. Bei der App geht es auch um den Kiezaspekt, denn sie funktioniert standortbasiert. Das heißt man hat einen lokalen Guide, um die Unternehmerinnen in seiner Nachbarschaft zu unterstützen. Lokalität ist uns neben Nachhaltigkeit nämlich besonders wichtig.

Wie viele Unternehmerinnen machen bisher mit bei euch?
Momentan haben sich mehr als 80 Unternehmen angemeldet. Unsere Akquise läuft auch Hochtouren.

Kann man sich noch anmelden?
Man kann sich natürlich gerne noch anmelden (hier entlang)! Nach kurzer Überprüfung schalten wir dann das Unternehmen frei. Auch private User können sich anmelden und so bereits ihre Favoriten sammeln. Neue Funktionen kommen wöchentlich hinzu. Die App ist natürlich noch ein Work in Progress.

Was sind die Voraussetzungen, um bei euch mitmachen zu können?
Sozial, transparent, nachhaltig und lokal. Das sind die Stichworte. Wir erarbeiten gerade ein Tool um die Unternehmen auf unsere Qualitätsanforderungen hin zu überprüfen. Da wir ein Statement machen wollen, ist die Aufnahme momentan erst mal noch auf Gründerinnen beschränkt. Sie brauchen einfach am meisten Unterstützung und eine Plattform. Es ist aber unser Ziel die Plattform für gemischte Teams zu öffnen und in Zukunft andere feministische Vorteile der jeweiligen Unternehmen zu erheben und zu zeigen. Etwa Frauenquote, Familienbenefits und so weiter. Wir möchten natürlich niemanden ausgrenzen. Aber es geht erst mal darum, sozusagen den „harten Kern“ zu zeigen und jene zu unterstützen und sichtbar zu machen, die das Zentrum unserer Frauenbewegung bilden. Ganz viele Infos zu unserer Mission gibt es im Manifest.

Die Launchparty ist ja im Be’kech im Wedding am 28. Juni.
Das Be’kech war tatsächlich das erste Unternehmen, das sich bei uns angemeldet hat. Wir sind einfach inhaltlich auch auf einer Linie mit den Gründerinnen dort. Es war einfach das perfekte Match.

Wo habt ihr euer Büro?
Luisenstraße 53, im HU Gründerhaus.

Wie lang arbeitet ihr schon an der Plattform?
Die Idee hat sich über längere Zeit nebenher entwickelt. Es war schwer eine Mitgründerin zu finden, die auch gleichzeitig die technischen Skills mitbringt. Als Rahel und ich uns dann aber im Sommer 2018 kennen gelernt haben ging es relativ schnell. Zwei Monate später hatten wir das Berliner Start-up-Stipendium. Die erste Version der App haben wir Ende April gelauncht.

Für welche Betriebssysteme ist die App gemacht?
Wir haben eine Web-App daraus gemacht, damit wir unabhängig von den App Stores sind. Die App funktioniert so auf allen Handys und Betriebssystemen und kann trotzdem als Short Cut auf dem Desktop gespeichert werden. Die Herstellung einer solchen App ist außerdem günstiger und schneller möglich. Die Nutzung ist erst mal kostenlos. Es wird später Premiumaccounts und Features geben. Wann und ob wir sie in die App Stores bringen werden/möchten, haben wir noch nicht festgelegt.

Zu den Gründerinnen:
Iulia Mitzner, 35, kommt ursprünglich aus Österreich, lebt aber seit acht Jahren in Berlin. Sie hat Kommunikationswissenschaften und Publizisitk studiert und früher als Onlineredakteurin und beim Film gearbeitet.

Rahel Wollenberger, 34, stammt aus Berlin, hat aber in London und Dänemark gelebt. Sechs Jahre lang hat Rahel als In-House-Developerin in einer Berliner Agentur gearbeitet, als sie beschloss es sei Zeit für etwas Neues.

Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute@tagesspiegel.de

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